Kohortenstudie

Ausdauer- und Kraftsport schützen viele Jahre vor Diabetes

Wer in jungen Jahren fit ist, senkt das Risiko später an Diabetes zu erkranken. Diesen Zusammenhang ergab eine schwedische Studie. Doch einen Schwachpunkt hat die Untersuchung.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 31.03.2016, 05:01 Uhr

Körperliches Training beugt auch bei Menschen mit normalem BMI Diabetes im Alter vor.

NEW YORK. Körperliche Fitness in jungen Jahren zahlt sich im Alter aus. In einer schwedischen Kohorte hat sich gezeigt: Wer mit 18 Jahren bei schlechter Kondition war, hatte ein dreifach erhöhtes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, und zwar unabhängig vom Body-MassIndex eines Menschen.

Casey Crump von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York und Kollegen haben in einer Kohortenstudie von 1969 bis 1997 das Risiko eines Typ-2-Diabetes im Erwachsenenalter in Abhängigkeit von der aeroben Belastbarkeit und der Muskelkraft mit 18 Jahren untersucht. Als Probanden dienten 1.534.425 schwedische Wehrpflichtige (Ann Intern Med 2016, online 8. März).

Risiko körperliche Belastbarkeit

Bei 2,2 Prozent der Männer wurde innerhalb eines mittleren Follow-up von 25,7 Jahren (39,4 Millionen Personenjahre) ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Zum Studienende waren die Probanden durchschnittlich rund 46 Jahre alt.

Der stärkste unabhängige Zusammenhang ergab sich zwischen einer niedrigen körperlichen Belastbarkeit in jungen Jahren und dem späteren Diabetesrisiko. Je niedriger die aerobe körperliche Leistungsfähigkeit im Alter von 18 Jahren war, desto höher lag das Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Als ebenfalls unabhängiger, wenn auch schwächerer Risikofaktor stellte sich eine schlaffe Muskulatur dar. So hatten Männer mit geringer aerober Belastbarkeit und wenig Muskelkraft das höchste Diabetesrisiko.

In dieser Gruppe erreichte die kumulative Inzidenz für einen Typ-2-Diabetes nach 40 Jahren 4,45 Prozent. Nach 20 Jahren lag die Diabetesinzidenz im untersten Terzil für Muskelkraft und Belastbarkeit absolut um 0,22 Prozent höher als im obersten, nach 30 Jahren um 0,76 Prozent und nach 40 Jahren um 3,97 Prozent.

Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings nicht nur bei Übergewichtigen, sondern auch bei Personen mit normalem BMI. Daraus lasse sich schließen, so Crump und Kollegen, dass sich körperliche Fitness zur Prävention eines Diabetes für alle lohnt, auch für Normalgewichtige.

Außerdem hatten weder die Familienanamnese noch sozioökonomische Faktoren Einfluss auf das Ergebnis.

Fitness für alle

Ein Schwachpunkt der Studie, den auch die Autoren einräumen, ist, dass die Fitnesswerte und der BMI nur zu Studienbeginn im Alter von 18 Jahren erhoben wurden. So konnten Veränderungen der Lifestyle-Gewohnheiten nicht berücksichtigt werden. Die Autoren um Crump sehen die Ergebnisse ihrer Studie dennoch als Hinweis darauf, dass es möglich ist, das Diabetesrisiko im späteren Leben zu reduzieren, indem man sich in jungen Jahren körperlich fit hält.

Ein interessanter Punkt der Untersuchung, so Peter Katzmarzyk, Louisiana, in einem Editorial, sei, dass die frühen Fitnessbemühungen offenbar bei allen einen positiven Einfluss auf die Diabetesentwicklung haben, also nicht nur bei übergewichtigen Menschen.

Angesichts der weltweit steigenden Diabetesprävalenz sei es ein dringendes Anliegen, so Katzmarzyk, wirksame Interventionsstrategien zu etablieren, um die Progression dieser Krankheit zu bremsen und Folgeerkrankungen sowie einen vorzeitigen Tod zu verhindern.

Um die fortschreitende Ausbreitung des Typ-2-Diabetes aufzuhalten, sollten ihm zufolge Fitnessprogramme zur Stärkung von Ausdauer und Kraft für die breite Bevölkerung empfohlen werden.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Typ-2-Diabetes? Es ist zum Davonlaufen!

"Physical Fitness Among Swedish Military Conscripts and Long-Term Risk for Type 2 Diabetes Mellitus: A Cohort Study" von C. Crump et al. ist wirklich beeindruckend. Einen mittleren Follow-up von 25,7 Jahren müssten andere Studien erstmal reproduzieren.

Die Studienautoren selbst erläutern freimütig die Grenzen ihrer Ergebnisse. Sie konnten Veränderungen der Lifestyle-Gewohnheiten nicht berücksichtigen und limitieren: Diese Studienkohorte schloss Frauen nicht ein und maß nicht die physische Fitness im höheren Lebensalter ["Limitation: This cohort did not include women and did not measure physical fitness at older ages"].

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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