Bei Herzschwäche schrumpft das Hirn

Eine Herzinsuffizienz beeinträchtigt die Leistung des Gehirns. Graue Hirnsubstanz schwindet. Das hat Folgen für die Therapie.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Komplexe Therapieschemata könnten manche Patienten mit Herzinsuffizienz mental überfordern. Therapeutische Anweisungen sollten langsam, deutlich und wiederholt gegeben werden, empfehlen Autoren einer neuen Studie.

Komplexe Therapieschemata könnten manche Patienten mit Herzinsuffizienz mental überfordern. Therapeutische Anweisungen sollten langsam, deutlich und wiederholt gegeben werden, empfehlen Autoren einer neuen Studie.

© Shutterstock

PERTH. Wenn das Herz seiner linksventrikulären Pumpfunktion nicht mehr ausreichend gerecht wird, geht dies mit nachlassenden kognitiven Funktionen einher.

Morphologisches Korrelat dieser klinischen Symptomatik ist ein Verlust von grauer Hirnsubstanz in Regionen, die für mentale und emotionale Aktivitäten essenziell sind. Dies berichtet jetzt eine australische Forschergruppe aus Perth im European Heart Journal (Eur Heart J 2012, online 31. Januar).

Die Befunde sollten nach Ansicht der Studienautoren Konsequenzen haben bei der Therapiestrategie: Komplexe Therapieschemata oder Anweisungen könnten manche Patienten mit Herzinsuffizienz mental überfordern und zu Compliance-Problemen führen.

Behandelnde Ärzte tun deshalb gut daran, therapeutische Ratschläge langsam, deutlich und wiederholt zu erteilen. Wenn möglich, sollten Angehörige mit eingebunden werden.

Maßnahmen, um kognitivem Abbau vorzubeugen

Darüber hinaus können den Patienten Maßnahmen empfohlen werden, welche dem kognitiven Abbau vorbeugen. Dazu zählt insbesondere, dass einschlägige Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Hyperlipidämie ausgeschaltet bzw. kontrolliert werden.

Außerdem sind regelmäßiges körperliches und mentales Training sowie soziale Aktivitäten geeignet, das Gehirn fit zu halten.

In der Studie hatten die Autoren bei 35 Patienten mit Herzinsuffizienz, 56 Patienten mit KHK sowie bei 64 gesunden Kontrollpersonen kognitive Testungen sowie eine Magnetresonanzuntersuchung des Gehirns durchgeführt.

Es zeigte sich, dass Patienten mit Herzinsuffizienz in der "Cambridge Cognition Examination" im Schnitt drei Punkte schlechter abschnitten als gesunde Kontrollen. Auch die KHK-Patienten erreichten zwei Punkte weniger als die Kontrollen, doch war dieser Unterschied nicht mehr signifikant.

Auf jeden Fall sind die kognitiven Defizite etwa doppelt so groß, als dies allein durch das Alter erklärbar wäre, berichten die Autoren. Betroffen waren Kurz- und Langzeit gedächtnis sowie die psychomotorische Geschwindigkeit.

Anzeichen für Verlust von grauer Hirnsubstanz

Die bildgebende Untersuchung des Gehirns zeigte einen Verlust von grauer Hirnsubstanz sowohl bei den KHK-Patienten als auch bei den Patienten mit Herzinsuffizienz, wobei die Veränderungen bei den Patienten mit Herzschwäche deutlicher ausgeprägt waren.

Betroffen waren Hirnareale, die für Gedächtnis, Nachdenken und Planung verantwortlich gemacht werden. Welche Mechanismen diesen Veränderungen zugrunde liegen, sei unklar, schreiben die Autoren.

Ihren Befunden zufolge sei die verminderte ventrikuläre Pump leistung wohl nicht die Ursache. Zukünftige Studien müssen nun zeigen, ob die Veränderungen fortschreiten, und ob Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen dieser Entwicklung Einhalt gebieten können.

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