Haut-Krankheiten

Bei Lipödem ist die Liposuktion operative Option

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa drei Millionen Menschen an einem Lipödem (Lipohyperplasia dolorosa). Überwiegend erkranken daran Frauen. Eine Liposuktion kann die Balance zwischen Lymphproduktion und -abtransport wieder herstellen.

Von Carmen Groschwitz Veröffentlicht: 22.08.2006, 08:00 Uhr

Beim Lipödem kommt es zu ödematösen Schwellungen des subkutanen Fettgewebes in den Beinen - und bei sechzig Prozent der Erkrankten zusätzlich in den Armen. Meist entwickeln sich die symmetrischen Schwellungen ab der Pubertät. Bis zum 30. Lebensjahr hat sich das Lipödem dann voll entwickelt.

Patientinnen klagen über Druckschmerzen, übermäßige Neigung zu Blutergüssen sowie Kälteempfindlichkeit an den betroffenen Hautpartien. Differentialdiagnostisch abgegrenzt werden muß das Lipödem von der Lipohypertrophie, dem Lymphödem, der Lipodystrophie und der Adipositas.

In seiner Entwicklung durchläuft das Lipödem drei Stadien. Zunächst ist die Haut noch glatt, aber die Subkutis verdickt und das Fettgewebe feinknotig strukturiert. Später wird die Hautoberfläche uneben mit einem grobknotigen Fettgewebe. Im dritten Stadium bilden sich bei stark deformierter Haut derbe Fettlappen. Es kommt aufgrund der wulstartigen Schwellungen zu Schürfungen und Entzündungen an den Bein-Innenseiten. Hände und Füße bleiben von den Veränderungen ausgespart.

Fettzellvermehrung und Überproduktion von Lymphe

Ursache des Lipödems ist eine genetisch bedingte, krankhafte Vermehrung der Fettzellen, die wiederum mit einer Überproduktion von Lymphflüssigkeit im Gewebe einher geht. Die Lymphgefäße - selbst unverändert und intakt - können die vermehrte Gewebsflüssigkeit nicht mehr vollständig abtransportieren, es kommt zu Stauungen und Ödemen.

Um eine Lymphstauung und zudem die Gefahr von Druckschäden an Gefäßen und Nerven zu verhindern, werden konservative Therapien wie manuelle Lymphdrainagen und Kompressionen verordnet. Diese Anwendungen lindern die Symptome zeitweilig und sind lebenslang erforderlich. Bei starkem Übergewicht wird zudem zu Gewichtsreduktion geraten.

Zusätzlich zur konservativen, symptomatischen Therapie ist die Liposuktion eine geeignete Methode zur operativen Behandlung von Patienten mit Lipödem. "Da bei der Lipohyperplasia dolorosa die krankhafte Vermehrung der Fettzellen genetisch bedingt ist, können diese nicht durch Sport oder Diäten verringert werden", sagt Dr. Manuel E. Cornely, Dermatologe aus Düsseldorf. Lediglich eine operative Reduktion der Fettzellen, die überschüssige Lymphe produzieren, könne das Ungleichgewicht zwischen Lymphbildung und Lymphabtransport dauerhaft wieder herstellen.

Prophylaxe mit Antibiotika zum Schutz vor Wundinfektionen

Die Liposuktion wird mit dem Tumeszenz-Lokalanästhesie-Verfahren vorgenommen, bei der das Betäubungsmittel mit einer Kochsalzlösung in das subkutane Fettgewebe injiziert wird. Nach längerer Einwirkzeit werden die Fettzellen dann mit Kanülen abgesaugt. Um Komplikationen wie Wundinfektionen vorzubeugen, wird prophylaktisch drei Tage lang antibiotisch behandelt.

Cornely etwa wendet dabei als Operateur an der Lympho-Opt Fachklinik für Lymphologie im mittelfränkischen Hohenstadt die von ihm entwickelte Technik der Lymphologischen Liposkulptur an. Dabei handle es sich um eine spezielle lymphschonende Form der Fettentfernung beim Lipödem, so Cornely. Der Eingriff wird nämlich - nach einer Einwirkzeit der Tumeszenz-Lösung von etwa zwei Stunden - unter besonderem Schutz der Lymphgefäße und unter strenger Berücksichtigung der Anatomie der Lymphgefäße mit langen Sonden achsengerecht vorgenommen.

Die sonst oft übliche quer gerichtete Absaugtechnik (Criss-Cross-Technik), bei der die Kanülen über Kreuz eingesetzt werden, verbiete sich bei dieser Technik, um mögliche Verletzungen der Lymphgefäße zu vermeiden. "Ziel der Lymphologischen Liposuktion ist es, die Patienten von Schmerzen zu befreien", betont Cornely. Das werde aufgrund der neuen Balance zwischen Lymphproduktion und Lymphabtransport erreicht.

Komplexe Entstauungstherapie postoperativ für eine Woche

Zum speziellen Therapiekonzept von Cornely gehört auch, daß die Patientinnen direkt postoperativ eine Woche lang mit komplexer Entstauungstherapie stationär behandelt werden. Wichtig sind dabei manuelle Lymphdrainagen, Kompressionen sowie adäquate Hautpflege.

Für optimale Op-Ergebnisse wird weitere 16 Wochen lang eine Kompressionstherapie verordnet. Nach sechs Monaten ist der Erfolg bewertbar. Bei 80 Prozent der Patienten könne so dauerhaft auf eine manuelle Lymphdrainage und Kompressionen verzichtet werden, so Cornely zur "Ärzte Zeitung".

Die Liposuktion bei Lipödem ist eine reine privatärztliche Leistung. Sie kostet je nach Ausmaß der Erkrankung zwischen 4000 bis 8000 Euro.

Abgrenzung bei Lipödem

Vom Lipödem (Lipohyperplasia dolorosa) mit symmetrischen, schmerzhaften und druckempfindlichen Schwellungen an den Extremitäten und Neigung zu Blutergüssen müssen abgegrenzt werden:

  • Lymphödem: asymmetrisch, nicht schmerzhaft/druckempfindlich, keine Blutergüsse
  • Lipohypertrophie: symmetrisch, nicht schmerzhaft/druckempfindlich
  • Lipodystrophie: Fettabbau an bestimmten Körperstellen sowie Fettansammlung an anderen Stellen
(cgr)

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