Bei alten Patienten wird Hypothyreose spät erkannt

Veröffentlicht:

HEIDELBERG (hbr). Nicht jeder Patient mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion hat typische Symptome wie erhöhte Blutfette, Hypertonie oder einen langsamen Puls. Bei alten Menschen muss man genauer hinsehen, um Symptome richtig zuzuordnen. Und bei Kindern kann man auf die üblichen Kennzeichen überhaupt nicht zählen.

Müdigkeit, Vergesslichkeit oder Depressionen können Zeichen einer latenten Hypothyreose sein.

Müdigkeit, Vergesslichkeit oder Depressionen können Zeichen einer latenten Hypothyreose sein.

© Foto: PhotoDisc

Bei alten Patienten besteht die größte Gefahr darin, typische Unterfunktionssymptome fehlzuinterpretieren, weil sie auch beim normalen Altern auftreten können. Solche häufigen klassischen Hypothyreose-Symptome sind etwa schlechte Blutfettwerte und langsamer Puls. Die Patienten neigen zu Bluthochdruck, früher Atherosklerose und Verstopfung.

Viele nehmen trotz magerer Kost zu. Sie frieren schnell, ihre Haut ist kalt, blass und teigig. Reflexe, Libido und Potenz schwächeln - alles Merkmale, die sich den auf Sparflamme laufenden Stoffwechsel-Prozessen zurück führen lassen. Daran erinnerte Professor Rainer Hehrmann vom Stuttgarter Diakonie-Klinikum beim Henning Schilddrüsen-Symposium in Heidelberg. Und: Das Konzentrieren fällt schwer und die Persönlichkeit kann sich ändern: Lebhafte Menschen werden müde, lethargisch und leicht erschöpfbar.

Dabei entwickeln alte Patienten oft nur wenige Symptome und auch diese häufig nur schleichend, betonte Hehrmann bei der Sanofi-Aventis-Veranstaltung. Wegen der Unterfunktions-typischen Lethargie gingen Betroffene oft nicht zum Arzt. Selbst den Leidensdruck kann sie überdecken: "Die Patienten unternehmen halt nichts, sie sitzen zu Hause; im Winter am Ofen, wo es schön warm ist."

Kein Wunder, dass die Diagnose bei alten Patienten oft erst spät erfolgt. Die Therapie ist dann aber einfach: Das fehlende Hormon wird mit Levothyroxin (etwa L-Thyroxin Henning®) ersetzt. Bei Schluckstörungen und zur Feineinstellung in 5-µg-Schritten gibt es auch die flüssige Variante (L-Thyroxin Henning® Tropfen).

Der Altersgipfel der Hypothyreose liegt zwar bei 50 bis 70 Jahren. Altersgebunden ist die Krankheit aber nicht: Ihr liegt meist eine chronische Autoimmun-Thyreoiditis (Hashimoto) zugrunde. Davor sind auch Hochbetagte und Kinder nicht gefeit.

Und auch bei Kindern ist die Diagnose anhand von Symptomen schwierig: "Kinder zeigen oft nicht die klassischen Symptome", betont Hehrmann. Das belegt der Fall eines neunjährigen Mädchens, den der Endokrinologe in Heidelberg vorstellte.

Die Eltern hatten den überweisenden Kinderarzt aufgesucht, weil ihr Kind ständig blass war. Eine Anämie wurde jedoch ausgeschlossen. Dafür lag der gemessene TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) bei 70 mU / l und damit weit über der oberen Normgrenze (bis 4 mU / l). Passend dazu fand sich im Ultraschall nur ein winziger Schilddrüsenrest - kennzeichnend für eine atrophische Hashimoto-Thyreoiditis.

Das Überraschende dabei: Abgesehen von der Blässe waren keine der von Erwachsenen bekannten typischen Symptome erkennbar, so Hehrmann. Das Mädchen war immer noch eine gute Schülerin, schlief nicht ständig ein und hatte weder zugenommen noch eine Verstopfung. Erst die Thyroxin-Substitution offenbarte, dass der Hormonmangel zuvor ihr Temperament unauffällig gedämpft hatte: Nach sechs Wochen Therapie, so die Mutter, "war sie wieder so frech wie früher."

Mehr zum Thema

Parathyreoidektomie

Hyperparathyreoidismus: Operation kann vor Diabetes schützen

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung

Was tun, wenn Unterzucker nicht bemerkt wird?

Lesetipps
Eine Figur steht in einem Irrgarten.

© imaginando / stock.adobe.com

Kasuistik

Patient mit juckendem Ausschlag: Irrwege bis zur richtigen Diagnose

Nur noch Kerzen erleuchten die Fenster eines Wohnhauses in Berlin. Nach dem Brand einer Kabelbrücke sind im Südwesten tausende Haushalte und Betriebe ohne Strom.

© Carsten Koall/dpa

Update

Praxen im Südwesten betroffen

Wieder Stromausfall in Berlin: Kollege Sommer berichtet von seinen Erfahrungen