Rückenschmerzen

Bei chronischem Rückenschmerz ist oft Neuropathie dabei

BERLIN (gvg). Bei primär degenerativ bedingten Rückenschmerzen kommen häufig mehrere schmerzverursachende Mechanismen zusammen. Das Resultat ist dann ein gemischtes Schmerzsyndrom mit neuropathischer Komponente.

Veröffentlicht: 17.11.2006, 08:00 Uhr

"Wahrscheinlich haben wir es bei degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen häufig mit einem gemischten Schmerzsyndrom zu tun", sagte Professor Ralf Baron, Schmerzexperte an der Universität Kiel.

So komme es bei degenerativen Prozessen an der Bandscheibe zu einem Einsprossen von eigentlich nur im äußeren Anulus fibrosus vorhandenen nozizeptiven Nervenfasern in den Nucleus pulposus. Dieser Prozeß korreliere mit der Chronifizierung lokaler Rückenschmerzen, so Baron auf einer von Pfizer unterstützten Veranstaltung beim Kongreß der Orthopäden und Unfallchirurgen in Berlin.

Zusätzlich wachsen auch neue Nervenfasern und Blutgefäße in die degenerierte Bandscheibe ein. Durch Entzündungsbotenstoffe und mechanischen Druck in einer instabilen Bandscheibe werden diese neuen Nervenfasern nun geschädigt, wodurch sie selbst zu einer Quelle von (neuropathischem) Schmerz werden.

Die neuropatische Schmerzkomponente addiere sich zu den nozizeptiven Schmerzen bei degenerativen Wirbelsäulenproblemen, so Baron. Diese entstehen unter anderen, weil die durch Fehlbeanspruchung überlastete Rückenmuskulatur Schmerzbotenstoffe wie ATP im Überfluß produziert, die Nozizeptoren in der Muskulatur direkt stimulieren.

Praktische Konsequenz müsse sein, auch bei chronischen Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung an eine mögliche neuropathische Schmerzkomponente zu denken, forderte Baron. Klinische Angaben wie Brennen, "Ameisenlaufen" oder blitzartig "elektrisierend" einschießende Schmerzen deuteten in Richtung Neuropathie.

Bei diesen Patienten hält Baron dann einen Therapieversuch mit einem anti-neuropathisch wirksamen Medikament wie Pregabalin (Lyrica®) für gerechtfertigt: "Anwendungsbeobachtungen in unserer Ambulanz zeigen, daß die Patienten davon profitieren könnten", so Baron. Eine prospektive Studie dazu läuft gerade.

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