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"Bei einem Verbot gibt es eine Revolution"

WIEN (dpa). Auf die freundliche, aber bestimmte Frage nach einem Nichtrauchertisch reagierte der Oberkellner eines Wiener Bierlokals äußerst ungehalten: "Dies ist ein Raucherlokal, und das ist auch gut so!", raunzte er die deutsche Touristin an. Doch der Mann könnte sich täuschen. Denn die Tage ungestörten Rauchens in österreichischen Lokalen sind gezählt.

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Geht es nach dem Willen der neuen rot-schwarzen Koalitionsregierung, dann werden künftig die Nichtraucher das Bild in der Gastronomie bestimmen. Nicht wenige der traditionellen Kaffeehäuser in der Donaumetropole Wien befürchten in diesem Fall schwere Einbußen.

"Ein Rauchverbot wird es mit uns nicht geben"

"Das Kaffeehaus wurde doch ursprünglich für rauchende Männer geschaffen," schimpft Manfred Staub vom traditionsreichen Café Sperl. "Eingefleischte Raucher", so meint der passionierte Nichtraucher, würden "sich nie und nimmermehr in ein Nichtraucher-Café setzen". Auch im kaum weniger berühmten "Hawelka", in dem sich tagein, tagaus Raucher und Nichtraucher im dicken Qualm an den eng gestellten Tischen drängen, fürchtet man den "Tag X". "Die Chefetage ist überzeugt, ein Rauchverbot wird‘s mit uns nicht geben", meint ein junger Ober trotzig.

Bislang hatten Raucher in der Alpenrepublik eine starke Position. Österreich liegt beim Nikotinkonsum an der Spitze in Europa. Während deren Zahl auf dem Kontinent in den vergangenen Jahren beständig zurück ging, blieb sie hier nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation konstant. Fast 47 Prozent der Österreicher "qualmen". Fast ein Viertel der Elfjährigen haben bereits Raucherfahrung und fast die Hälfte der 15- bis 19-Jährigen bezeichneten sich bei einer Umfrage als Raucher.

Regierung setzte bislang auf eine "friedliche Koexistenz"

Obwohl die Schädlichkeit des Rauchens bewiesen, obwohl der Druck der Nichtraucher in Europa in den vergangenen Jahren ständig gewachsen ist, kamen in Österreich die Nichtraucher mit ihren Forderungen kaum zum Zuge. Die von der konservativen Volkspartei geführte Regierung setzte noch im vergangenen Jahr auf eine "friedliche Koexistenz". Zwar verpflichteten sich die Gastronomen, vier von zehn Tischen für Nichtraucher zu reservieren. Doch ein Gang durch Wiener Restaurants bestätigt, dass die Gastronomen davon noch weit entfernt sind.

Realistische Kaffeehausbetreiber glauben deshalb eher an ein gesetzliches Verbot. "Ich bin mir fast sicher, dass hier künftig alles Nichtraucher sein wird", glaubt Berndt Querfeld, Manager der berühmten Cafés Landtmann und Mozart. Angesichts der intensiven Diskussionen bei der EU in Brüssel "könnte es schon Ende des Jahres soweit sein". Spätestens der gesetzlich vorgeschriebene Schutz für das Personal spreche dafür. Immerhin beweisen Untersuchungen, dass Kellner in Raucherzonen ein um 50 Prozent höheres Risiko tragen, an Krebs zu erkranken.

Auch Maximilian Platzer, Obmann der Wiener "Kaffeesieder", hält im Zweifelsfall eine vollständige Nichtraucher-Lösung für besser. Zwar ist sein Traditionscafé Weimar seit zwei Jahren auf Nichtraucher eingestellt, doch nicht alle Lokale könnten dies aufgrund ihrer Räumlichkeiten umsetzen. "Natürlich können Sie die Raucher durch Glaswände von den Nichtrauchern trennen, aber glauben Sie wirklich, dass die Leute dann da noch sitzen wollen, wie Fische im Aquarium?"

Doch Günter Hawelka vom gleichnamigen ehemaligen Künstlercafé im 1. Bezirk sieht das völlig anders: "Wenn ein generelles Verbot kommt, dann gibt es eine Revolution und ich stehe an der Spitze", kündigte der Nichtraucher an: "Das wäre ein Einschnitt in die Kaffeehauskultur. Eine Rauchwolke gehört zur Atmosphäre."

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