Ältere Patienten

Bei häufigen Stürzen an Hyponatriämie denken!

Bei geriatrischen Patienten lohnt es sich, den Natriumspiegel im Blick zu behalten: So manches mit der Elektrolytstörung assoziierte Symptom wird oft anderen Ursachen zugeschrieben.

Von Peter Leiner Veröffentlicht: 14.10.2019, 16:13 Uhr
Bei häufigen Stürzen an Hyponatriämie denken!

Schon wieder gestürzt – gerade bei Älteren sollte dann an Störungen des Elektrolythaushalts gedacht werden. (Symbolbild mit Fotomodell)

© Picture-Factory/stock.adobe.com

Frankfurt / Main. Viele geriatrische Patienten haben Elektrolytstörungen, allen voran eine Hyponatriämie. Die Störungen werden im Alter durch eingeschränkte Funktionen vor allem der Niere, des Herzens und des Gehirns begünstigt. Nicht zuletzt die Multimedikation, speziell mit Diuretika sowie Arzneien, die ein SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) induzieren, kann zu diesen Störungen beitragen.

Daran hat Privatdozent Dr. Clemens Grupp von der Medizinischen Klinik III mit Zentrum Geriatrie der Sozialstiftung Bamberg beim Geriatrie-Kongress in Frankfurt am Main erinnert. Die Elektrolytstörungen gingen mit Symptomen einher, die im Alter oft anderen Ursachen zugeschrieben werden. Als Beispiele nannte der Geriater Gangunsicherheit, Sturzneigung und Delir, wofür es zwar viele andere Prädispositionen gebe, die aber durch eine Elektrolytstörung begünstigt würden.

Hyponatriämie ist keine Bagatelle, sondern sollte ernst genommen werden.

Privatdozent Dr. Clemens Grupp, Medizinische Klinik III mit Zentrum Geriatrie der Sozialstiftung Bamberg

Es wird geschätzt, dass etwa 15 bis 22 Prozent aller hospitalisierten Patienten und etwa sieben Prozent aller ambulanten Patienten eine milde Hyponatriämie mit einem Serumnatriumwert unter 135 mmol/l haben. Ausgeprägter ist sie bei bis zu sieben Prozent aller stationär versorgten Patienten mit Werten unter 130/125 mmol/l.

Ernst nehmen

„Eine Hyponatriämie ist keine Bagatelle, sondern sollte ernst genommen werden“, betonte Grupp. Bei Komorbidität würden Symptome oft einer anderen Ursache zugeschrieben. Die mit Hyponatriämie assoziierten Symptome reichten von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen über Gang- und Konzentrationsstörungen sowie Depression bis zu Verwirrtheit, Schwindel und Koma und in schweren Fällen zu Atemstillstand und Tod. Chronische Hyponatriämie stehe auch in Zusammenhang mit Knochenbrüchen und Hospitalisierung. So sei etwa einer Studie zufolge das relative Risiko für Stürze bei „asymptomatischer“ chronischer Hyponatriämie im Vergleich zur Normonatriämie auf fast das Zehnfache erhöht (Am J Med 2006; 119:71e1–71e8).

Grupp betonte, dass in der Diagnostik von Elektrolytstörungen die Messung etwa der Natriumkonzentration – außer im Serum – im Spontanurin erfolgen müsse, nicht im 24-Stunden-Urin, der Wert „würde nur Blödsinn anzeigen“. Wichtig sei, darauf zu achten, dass die Messung nicht unter Diuretika-Therapie vorgenommen werde und diese Arzneien daher ausreichend lange vorher abgesetzt würden. Spironolacton zum Beispiel benötige eine Woche, „bis die Wirkung komplett weg ist“.

Handelt es sich bei der Hyponatriämie um die hypovolämische Form, kann ein extrarenaler oder ein renaler Salzverlust vorliegen. Der extrarenale Verlust entsteht etwa durch Erbrechen, Diarrhö, Schwitzen oder Pankreatitis. Wie bei renalem Verlust etwa durch tubuläre Schädigung empfiehlt Grupp eine Reduktion oder das Absetzen von Thiaziden vor Schleifendiuretika. Spezielle Maßnahmen seien die Natriumsubstitution und Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung bei extrarenalem Verlust, bei renalem Verlust primär die Therapie der Erkrankung und bei Bedarf eine Natriumsubstitution.

Auf Flüssigkeit achten

Auch das SIADH ist eine Störung, die typischerweise gehäuft bei geriatrischen Patienten auftritt. Mögliche Ursachen sind Malignome, Lungenerkrankungen, Störungen des ZNS, etwa durch Hirntumoren oder Traumata, sowie manche Medikamente, zum Beispiel „psychotrope Arzneien, die wir gerade bei Älteren verstärkt einsetzen“

Erforderliche Maßnahmen sind hier Flüssigkeitsrestriktion sowie die Identifikation und Therapie der auslösenden Ursachen. Außerdem steht der ADHRezeptorantagonist Tolvaptan zur Verfügung, der zur Therapie bei Hyponatriämie als sekundärer Folge des SIADH zugelassen ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf springermedizin.de.

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