Bei schweren bipolaren Erkrankungen ist Kombitherapie nötig

PARIS (mut). Bei Patienten mit ei-nem manisch-depressiven Mischzustand ist die Therapie besonders schwierig. Häufig benötigen sie eine Kombination von zwei bis drei Arzneien. Auf Antidepressiva sollte jedoch verzichtet werden, da diese die Symptome verschlimmern können.

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Bipolar erkrankte Patienten mit Mischzuständen, bei denen Symptome einer Manie und einer Depression zugleich auftreten, reagieren häufig gereizt, feindselig oder ängstlich, sind innerlich aufgewühlt und sehr Suizid-gefährdet. Die meisten haben zusätzlich Wahnvorstellungen. Daran hat Dr. Eduard Vieta aus Barcelona in Spanien beim einem Psychiatriekongreß in Paris erinnert.

Die Behandlung solcher Patienten sei bisher nur mäßig erfolgreich: Nur bei etwa der Hälfte der Erkrankten läßt sich eine Krankheits-Episode mit Medikamenten beenden, dagegen sprechen bei einer klassischen Manie fast alle Patienten auf die Behandlung an, und bei Patienten in einer depressiven Phase immerhin die meisten, sagte Vieta auf einem Symposium des Unternehmens Sanofi-Synthélabo.

Ein großes Problem sei, so Vieta, daß manische Patienten mit zugleich depressiven Symptomen häufig nach einiger Zeit in eine schwere Depression fallen. Bei der Therapie sollten daher Arzneien verwendet werden, die nicht nur antimanisch und bei Bedarf antipsychotisch wirken, sondern auch einen Wechsel in die Depression verhindern. Antidepressiva seien jedoch tabu, da sich damit die Krankheitssymtome häufig noch verschlimmerten, sagte Vieta.

Der klassische Stimmungsstabilisierer Lithium, für den eine antisuizidale Wirkung belegt ist, wirke zwar gut bei klassischen Manien, Patienten mit Mischzuständen hätten jedoch in Studien auf Lithium nicht besser angesprochen als auf Placebo. Dagegen seien mit Valproat (vom Unternehmen als Ergenyl® angeboten) in Studien deutlich höhere Ansprechraten erreicht worden als mit Lithium oder Placebo.

Bestätigt wurde dies auch bei einer Studie mit manischen Patienten, die entweder Lithium, Valproat oder Placebo erhielten. Mit Placebo brachen 16 Prozent der Patienten die Studie aufgrund einer schweren Depression ab, mit Lithium zehn Prozent, mit Valproat nur sieben Prozent, sagte der Psychiater.

Die meisten atypischen Antipsychotika seien ebenfalls bei manisch-depressiven Mischzuständen wirksam. Allerdings lägen nur für Olanzapin ausreichend Daten vor, die einen Schutz vor dem Wechsel in eine depressive Phase belegten. So ließ sich in einer Studie bei Patienten, die bisher auf die Kombination von Lithium und Valproat nicht ausreichend angesprochen hatten, die Ansprechrate bei einer Kombination dieser Arzneien mit Olanzapin erhöhen.

Aus den bisherigen Daten schließt Vieta, daß bei einem leichten Verlauf einer gemischt manisch-depressiven Episode Valproat gut geeignet sei. Bei schwereren Verläufen eigne sich auch eine Kombination von Valproat und Lithium oder Valproat und einem atypischen Neuroleptikum. Bei sehr schweren Verläufen müsse eventuell auch eine Dreierkombination dieser Arzneien angewandt werden. Sprechen die Patienten dennoch nicht an, so sei die Elektrokrampftherapie eine wirkungsvolle Option.

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