Geriatrie

Beim Blutdruck zählt nicht nur das kalendarische Alter!

Was ist der optimale Zielwert für den Blutdruck bei Senioren mit arterieller Hypertonie? Experten plädieren dafür, dem Arzt gewisse Ermessensspielräume zuzubilligen.

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BERLIN. Die im vergangenen Jahr aktualisierten europäischen Leitlinien zur Hochdrucktherapie sehen für einen Großteil der Patienten mit arterieller Hypertonie ein einheitliches Blutdruckziel von unter 140/90 mmHg vor.

Eine wichtige Ausnahme davon seien ältere Menschen, betonte der Vorstand der Hochdruckliga, Professor Reinhold Kreutz vom Institut für Klinische Pharmakologie der Charité Berlin.

Im Einklang mit dem Vorgehen in der HYVET-Studie sollte bei Menschen ab 80 Jahren erst ab einem systolischen Blutdruck von 160 mmHg interveniert werden, so Kreutz. Und der zu unterschreitende Zielwert betrage dann auch nicht 140 mmHg systolisch, sondern 150 mmHg systolisch.

Das ist so weit unstrittig. Mehr diskutiert wird die Frage, wie bei Patienten zwischen Mitte 60 und 80 Jahren vorgegangen werden sollte.

Kontroverse Diskussion in USA

In den USA gibt es starke Strömungen in der Bluthochdruck-Community, die bereits bei diesen "jungen Alten" einen großzügigeren Zielwert befürworten. "Das ist aber sehr kontrovers. Es gibt auch in den USA zahlreiche Experten, die anderer Auffassung sind", so Kreutz.

Für Deutschland empfiehlt die Hochdruckliga im Einklang mit den europäischen Leitlinien eine individuelle Herangehensweise. Generell gilt für die "jungen Alten" der einheitliche Zielwert von unter 140/90 mmHg.

Wenn ein Patient allerdings gebrechlich ist, obwohl er kalendarisch noch keine 80 Jahre alte ist, dann sind etwas mehr Vorsicht und mithin ein höherer Zielwert gerechtfertigt.

"Diese Entscheidung sollte auf Basis der individuellen Einschätzung des Arztes erfolgen", so Kreutz. Von pauschalen Vorgaben hält er in dieser Situation nichts. (gvg)

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