Betreuung von Hochrisikopatienten ist Praxisalltag

LEIPZIG (hbr). "In Hausarztpraxen ist ein Hochrisikopatient der Regelfall", sagt Professor Hendrik Lehnert von der Universität Magdeburg. Die Kollegen haben es im Alltag vor allem mit chronisch kranken Patienten zu tun, bei denen es jederzeit zu Komplikationen kommen kann.

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Bei diesen Patienten liegen meist multiple Risiken vor, so Lehnert. Das hat die DETECT-Studie ergeben (Diabetes Cardiovascular Risk Evaluation: Targets and Essential Data for Commitment of Treatment).

Die von Pfizer unterstützte Untersuchung hatte zum Ziel, die Versorgung, etwa Diagnosen und kardiovaskuläre Risiken, in Hausarztpraxen zu erfassen. 3795 Ärzte aus allen Regionen Deutschlands beteiligten sich daran sowie über 50 000 Patienten. 24 407 davon waren 60 Jahre oder älter, 18 237 zwischen 40 und 59 Jahre alt. 12 874 Patienten gehörten zur Altersgruppe der 18- bis 39jährigen.

Auf dem deutschen Diabeteskongreß in Leipzig stellte Lehnert die Auswertung der Eingangsdaten vor. Demnach haben niedergelassene Ärzte in Deutschland alle Hände voll zu tun: Der durchschnittliche Patient braucht intensive ärztliche Hilfe.

Daß die Prävalenz der Erkrankungen vom Alter abhängt, ist nicht überraschend, aber nun gibt es eindeutige Zahlen: So sind von den Männern und Frauen unter 40 Jahre nur zwei Prozent zuckerkrank. Bei den 40- bis 59jährigen wurde dies aber schon bei jedem Zehnten festgestellt und ab 60 Jahren bei jedem Vierten.

Von den über 70 Jahre alten Patienten hat jeder dritte einen Diabetes und ebenso viele eine KHK. In der 60-plus-Gruppe hatte außerdem ein Viertel der Teilnehmer eine KHK, im mittleren Lebensalter lag die Rate noch unter sechs Prozent.

Ein großes Problem sind vor allem Begleitkrankheiten, sagte Lehnert. Schaut man zum Beispiel bei Typ-2-Diabetikern nach Bluthochdruck, Hyperlipidämie und KHK, dann weist schon in der mittleren Altersgruppe jeder achte (zwölf Prozent) alle drei dieser Krankheiten zusätzlich auf. In der Gruppe der jungen Menschen betrifft dies erst 2,4 Prozent. Bei Patienten ab 60 Jahren steigt der Anteil weiter auf 19 Prozent. Auch mikro- und makrovaskuläre Komplikationen nahmen bei Diabetespatienten mit dem Alter zu.

    Jeder dritte Patient über 70 hat Diabetes.
   

Von den 8500 Patienten, die an der Untersuchung teilnahmen, erreichten 40 Prozent einen guten HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent, so der Endokrinologe. Ein gleich hoher Anteil der Patienten hatte Werte über sieben Prozent. Jeder sechste Diabetiker erreicht mit seinem HbA1c-Wert mehr als acht Punkte. Bei drei Prozent der Studienteilnehmer lag der Wert über zehn Prozent.

Die Qualität der Stoffwechsel-Einstellung hängt dabei stärker mit der Krankheitsdauer zusammen als mit dem Lebensalter, sagte Lehnert: Je länger die Diabeteserkrankung bereits besteht, um so schlechter wird der HbA1c-Wert. Das galt für Patienten aller Altersgruppen.

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