Blutprodukte so sicher wie nie

Die Einführung des Verfahrens der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) hat die Sicherheit von Blut und Blutprodukten in der Transfusionsmedizin deutlich erhöht: Sie sind heute sicherer als je zuvor.

Von Ute Ayazpoor Veröffentlicht:

BASEL. Nie war die Anwendung von Blutprodukten sicherer als heute. Mit Einführung von Tests mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion sank die Zahl vor allem der Viren-Übertragungsfälle drastisch - geht es aber um das transfusionsassoziierte Restübertragungsrisiko, dann sind Bakterien das Problem.

Die Einführung der routinemäßigen PCR-Testung aller Blutspender auf die wesentlichen transfusionsassoziierten Viren war einer der Meilensteine für die Transfusionsmedizin, berichtete Professor Erhard Seifried aus Frankfurt am Main.

"Im Falle der Hepatitis C etwa verkürzte sich durch den Einsatz der PCR das diagnostische Fenster - das ist die Phase, in der ein Spender potentiell infektiös ist, aber noch nicht als infektiös detektiert wird - hochsignifikant von etwa eineinhalb Monate auf wenige Tage", so Seifried.

So sicher wie nie in der Geschichte der Transfusionsmedizin

Gleichzeitig mit der Einführung der obligaten PCR-Testung - im Jahr 1999 für HCV und im Jahr 2001 für HIV-1 - wurde bisher nur jeweils ein Übertragungsfall an das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main gemeldet, wie Seifried während der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie berichtet hat.

Die Blutprodukte sind nach Angaben von Seifried zur Zeit so sicher wie noch nie in der Geschichte der Transfusionsmedizin: Das Restrisiko, an einer transfusionsassoziierten Virusübertragung zu erkranken, ist minimal. Es beträgt zum Beispiel für Hepatitis B 1 : 360.000, für Hepatitis C 1 : 10,88 Millionen und für HIV 1 : 4 Millionen.

Unklar sei die Datenlage zum Infektionsrisiko beim Cytomegalievirus (CMV). Hier wird derzeit ein Restübertragungsrisiko von 0,4 bis 5 Prozent diskutiert.

Bundesärztekammer spricht sich dagegen aus

Die Bundesärztekammer kommt in ihren Querschnittsleitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten zu dem Ergebnis, dass nach Einführung der Leukozytendepletion die Frage, ob eine zusätzliche CMV-Testung und CMV-Negativität tatsächlich eine Risikominderung birgt, derzeit nicht beantwortbar ist.

Sie spreche sich gegen die PCR-Testung Leukozyten-depletierter Blutkomponenten aus, berichtete Seifried in Basel. Aktuell sei lediglich bekannt, "dass im Stadium der Serokonversion oder kurz danach die PCR signifikant häufig erhöht ist und hier dann mit großer Wahrscheinlichkeit ein Infektionsrisiko besteht", so der Transfusionsmediziner.

Fünf Todesfälle zwischen 1997 und 2007

Im Hinblick auf Bakterien ist die Sicherheit der Blutpräparate wesentlich geringer als auf Viren, erläuterte Seifried. Im Paul-Ehrlich-Institut wurden zwischen 1997 und 2007 sehr viele verdächtige - auch nachgewiesene - Infektionen sowie fünf Todesfälle gemeldet.

Zu den Infektionen mit Todesfolge war es durch Thrombozytenkonzentrate gekommen - nicht zuletzt aufgrund der derzeitigen Versorgungssituation, berichtete Seifried: "Vier von fünf dieser Konzentrate waren älter als vier Tage." Die übliche Lagerhaltung bei Raumtemperatur scheine das Bakterienwachstum zu begünstigen, sodass sie letztlich auch eine Sepsis mit tödlichem Ausgang provozieren könne.

Zur Zeit habe das Paul-Ehrlich- Institut in Langen die erlaubte Lagerhaltung der Thrombozytenkonzentrate von fünf auf vier Tage reduziert - wenn nicht Maßnahmen zur Reduktion der Bakterienkontamination eingeführt werden, etwa die Testung auf Bakterien oder die Pathogen- Inaktivierung. (MUC)

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