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Borrelien-Infektion statt Leistenbruch

Es begann mit einer Schwellung in der rechten Leiste. Die Lymphknoten vergrößerten sich auf drei Zentimeter. Symptome kamen hinzu. Das Erythema migrans wurde erst nach Entkleiden entdeckt.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Ein roter Fleck in der Gesäßfalte mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern führte auf die Spur der Diagnose.

Ein roter Fleck in der Gesäßfalte mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern führte auf die Spur der Diagnose.

© Foto: Zinecker

Komplett ausziehen - einmal mehr hat sich bestätigt, dass die klinische Untersuchung am vollständig entkleideten Patienten oft schneller zur Diagnose führen kann, als wenn sehr rasch das übliche technische Armamentarium genutzt wird. Bei einem 40-jährigen Mann fing alles mit einer nicht reponiblen Schwellung in der rechten Leiste an. Ein Leistenbruch war rasch ausgeschlossen. Es handelte sich um eine Lymphknotenschwellung, die zunahm, die schmerzte und die mit einem zunehmend verschlechterten Allgemeinzustand des Patienten einherging, berichtet Dr. Siegfried Zinecker aus Nürnberg (MMW 23, 2009, 5).

Durchfälle, abdominelle, teils kolikartige Schmerzen und eine auf 89 U/l erhöhte Gamma-GT ließen an eine gastrointestinale Ursache denken. Jedoch ergaben weder die Sonographie, noch Gastro- und Koloskopie irgendwelche Aufälligkeiten. Dem Patienten ging es immer schlechter. Es kamen leichte Lähmungserscheinungen und ein Taubheitsgefühl im linken Fuß sowie linken Arm hinzu. Die Lymphknoten vergrößerten sich auf bis zu drei Zentimeter Durchmesser. "Weiter beobachten", hieß die Empfehlung bei Entlassung aus der Klinik.

"Aufgrund der Erfahrung, dass Leistenschmerzen häufig durch Blockierungen der Brustwirbelsäule verursacht werden können, wollte ich eine chirotherapeutische Behandlung der BWS durchführen", schreibt Zinecker. Dann jedoch fand er bei der Lagerung des entkleideten Patienten in der Gesäßfalte, halb von der Unterhose verdeckt, einen roten Fleck mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern.

Komplett ausziehen - die alte Regel bestätigt sich.

Es handelte sich um ein Erythema migrans und offenbar um eine systemische Borreliose mit Beteiligung der Leber, obwohl die Ergebnisse der immunologischen Diagnostik nicht eindeutig waren. Die hoch dosierte Doxycyclin-Behandlung befreite den Patienten innerhalb von drei Tagen von den Schmerzen. Die subfebrilen Temperaturen und die Lymphknotenschwellungen gingen zurück.

Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, wechselnde Schmerzen, Nachtschweiß oder neurologische Symptome sind Zeichen einer Borrelieninfektion nach dem Frühstadium mit Erythema migrans. Findet sich ein Erythema migrans, soll nach Empfehlung der Deutschen Borreliose-Gesellschaft sofort antibiotisch therapiert werden. Der Borreliose-Nachweis im Labor ist nicht unumstritten. Da die Antikörper Jahre persistieren können, beweist ein positiver serologischer Befund nicht eine aktive Borreliose. Umgekehrt kann ein negativer Befund sie nicht völlig ausschließen. Auch zum Lymphozytentransformationstest (LTT-Borrelien) gibt es konträre Meinungen.

www.borreliose-gesellschaft.de; www.rki.de

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Kommentare
Gabriele Wagner 12.07.200914:26 Uhr

Tatsächlich stechen Zecken

Sehr geehrter Herr Haltermann,
da allgemein immer von "Zeckenbissen" die Rede ist, hat sich der Ausdruck eingebürgert (siehe auch Pschyrembel).

Tatsächlich ist es aber so, dass die Mundwerkzeuge bei Zecken zu Stech-Saug-Rüsseln umgewandelt sind, so dass es biolgisch gesehen richtig ist, von Zeckenstichen zu sprechen. Deshalb werden wir auch weiterhin bei Zecken von Stichen schreiben und sprechen.

Beste Grüße
Gabriele Wagner
Ärztin
Leiterin Newsroom / Online

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