Zeckenbedingte Erkrankungen

Borreliose-Verdacht: Serologie kann täuschen

Schmerzen im Gelenk - Besteht Verdacht auf eine Borreliose, ist dies eine diagnostische Herausforderung. Es sind auch wichtige Differenzialdiagnosen zu berücksichtigen. Das Ansprechen auf Antibiotika ist eine nachträgliche Bestätigung der Diagnose.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht: 14.07.2009, 05:00 Uhr
Borreliose-Verdacht: Serologie kann täuschen

Lymearthritis? Bei einer Monarthritis des Knies muss auch an HLA-B27-assoziierte Erkrankungen und eine Psoriasisarthritis gedacht werden.

© Foto: imago

Wenn Patienten mit der Vermutung, an einer Borreliose erkrankt zu sein, in die Praxis kommen, ist dies nicht nur eine diagnostische Herausforderung. Oft genug gilt es auch, mit Legenden aufzuräumen und überzogene Erwartungen an die Diagnostik einzudämmen.

Generell kann eine positive Serologie wegen der hohen Seroprävalenz nur bei entsprechenden klinischen Befunden bewertet werden. Daher ist ein ELISA erst ab einer Vortestwahrscheinlichkeit von mindestens 20 Prozent sinnvoll, wie Privatdozent Dr. Christoph Fiehn aus Baden-Baden beim MedCongress gesagt hat. Im nächsten Schritt solle per Westernblot die Diagnose bestätigt werden. Da die Serologie aber nicht von Beginn an eindeutig sei, zähle bei der Diagnosestellung auch die Expositionshäufigkeit, etwa bei einem Förster.

Ließen sich bei einer vermuteten Lymearthritis, klassischerweise wegen einer Monarthritis des Knies, mehr als acht Wochen nach der Infektion keine spezifischen IgG-Antikörper nachweisen, dann sei dies ziemlich sicher keine Borreliose. Denn Gesunde bildeten immer IgG-Antikörper, so Fiehn. Eine seronegative Borreliose gebe es nicht. Allenfalls könnten in der Frühphase die Titer noch zu niedrig sein. Dann seien Titerkontrollen notwendig. Generell gelte: Je höher die Titer, desto aussagekräftiger. Denn niedrige seien verdächtig auf einen alten Durchseuchungstiter. Eine PCR-Diagnostik aus Synovialispunktat oder Gewebe ist möglich, bringt nach Angaben von Fiehn aber keine Sicherheit, da die Sensitivität gering ist.

Differenzialdiagnostisch muss bei einer Monarthritis des Knies an HLA-B27-assoziierte Erkrankungen und eine Psoriasisarthritis gedacht werden. Hat der Patient dagegen (weitgehend) symmetrische Gelenkbeschwerden ist die erste Differenzialdiagnose eine rheumatoide Arthritis, bei asymmetrischer Oligoarthritis die Psoriasisarthritis, und wenn die Beschwerden akut sind, auch eine reaktive Arthritis.

Das Ansprechen auf die Antibiotikatherapie sei zwar langsam, aber eine nachträgliche Bestätigung der Diagnose, so Fiehn. Besserten sich die Symptome nicht, sei dies ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine Borreliose gehandelt habe. In der Frühphase sollte - außer bei Kindern - für drei Wochen 200 mg/d Doxycyclin oral gegeben werden. Kinder sollten mit Amoxicillin behandelt werden. Wird erst in der Spätphase mit der Therapie begonnen, kann statt per oralem Doxycyclin für ebenfalls drei Wochen ein intravenöses Cephalosporin (meist Ceftriaxon 2  g/d) gegeben werden. Anschließende Titerkontrollen empfahl Fiehn nicht, da sie nicht mit der Klinik korrelierten.

Weder für die Vermutung, dass das Rezidivrisiko nach oraler Therapie größer ist, noch für den Nutzen einer prophylaktischen Antibiotikatherapie nach einem Zeckenstich gibt es eindeutige Belege. Letztere wird daher nicht empfohlen. Dies gelte auch für Langzeit- und Hochdosistherapie, zumal dies die Gefahr berge, dass die eigentliche Ursache der Symptome nicht geklärt und gezielt behandelt werde, so Fiehn.

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