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Botulinumtoxin A glättet auch verkrampfte Pianisten-Finger

NEU-ISENBURG. Konzert-Pianisten, Chirurgen und Cartoonisten leiden mit unterschiedlicher Häufigkeit an Muskelkrämpfen der Hände. Ausgelöst werden diese Krämpfe, auch Musiker-Krämpfe genannt, durch intensives Wiederholen gleichförmiger Fingerbewegungen. Botulinumtoxin A ist das Mittel der Wahl, um diesen Patienten zu helfen.

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von Anja Christina Rasch

In der gesamten Bevölkerung liegt die Häufigkeit der fokalen Dystonien, zu denen die Musiker-Krämpfe gehören, bei einem von 3400 Einwohnern. Das entspricht etwa fünf Patienten pro Kleinstadt. Besonders Berufsmusiker sind betroffen. Einer von 200 geht mit Symptomen zum Arzt. Experten schätzen die Dunkelziffer jedoch höher ein.

Obwohl Forscher bereits für einige Formen der Dystonie Gene identifizierten, wurde für den Musikerkrampf noch kein spezifisches Gen gefunden. Professor Eckard Altenmüller vom Institut für Musikermedizin in Hannover und auch andere Experten gehen davon aus, daß psychische Belastungen wie Erfolgs- und Perfektionsdruck die Krankheit begünstigten.

"Die Symptome kamen ganz plötzlich. Auf einmal haben sich der vierte und der fünfte Finger meiner rechten Hand während des Spielens eingerollt, ohne daß ich etwas dagegen tun konnte", erinnert sich etwa der US-amerikanische Pianist Leon Fleisher an den radikalen Einschnitt in seiner Karriere.

"Dilbert"-Zeichner Scott Adams ist ebenfalls von fokaler Dystonie betroffen. Mit anderen Patienten mit fokaler Dystonie haben sie gemein, daß anscheinend das intensive Ausüben gleichförmiger Fingerbewegungen in den zuständigen Cortexbereichen Überlappungen auslösen. Daraus folgen nicht steuerbare Störungen der Feinmotorik.

In einer retrospektiven Studie haben Altenmüller und seine Kollegen in Hannover zusammen mit Kollegen im US-Staat Ohio insgesamt 84 erkrankte Instrumentalisten untersucht und ihre Erfahrungen mit der Botulinumtoxin-A-Therapie dokumentiert (Neurology 2005, 64, 341).

"Je nachdem, wie stark der Muskel krampft, werden die Botulinumtoxin-Dosen individuell angepaßt", so Altenmüller im Gespräch zur "Ärzte Zeitung". Unter elektromyographischer Kontrolle injiziert Altenmüller Botulinumtoxin A genau in die betroffenen Muskelstränge.

Die Therapie dauerte bei den Musikern zwischen zwei und 76 Monaten, die Intervalle zwischen den Injektionen betrugen ein Monat bis etwa acht Monate. Die Musiker beurteilten selbst die Wirksamkeit der Therapie. Behandlungserfolg war zum Beispiel, wenn sie mehr Konzerte geben oder ihr Repertoire erweitern konnten.

Von den 84 Teilnehmern der Studie spürten 58 von ihnen eine Minderung der Symptome. 30 Musiker dieser Gruppe berichteten dabei auch über langfristige Vorteile. Für 26 Patienten jedoch besserten sich die Symptome mit der Therapie nicht. Altenmüller weist ferner darauf hin, daß die Patienten nach den Injektionen mit vorübergehenden Schwächen in den behandelten Muskeln rechnen müssen.

Außerdem empfiehlt er seinen Patienten sensorisches Retraining, in dem sie zum Beispiel mit der Blindenschrift Braille ihre Feinwahrnehmung anregen. Entspannungsübungen wie Yoga minderten die Symptome. Auch wenn die Studie auf subjektiver Bewertung beruhe, seien die Ergebnisse ermutigend, resümieren die Editoren der Zeitschrift "Neurology", Seth Pullman und Anna Hristova.

Der Konzertpianist Fleisher spezialisierte sich nach seiner Erkrankung auf linkshändige Klavierkonzerte. Seinen Traum, wieder beidhändiges Klavier zu spielen, erfüllte erst die Behandlung mit Botulinumtoxin A. Es unterbricht die Verbindung zwischen Nerv und Muskel, in dem es an den neuromuskulären Synapsen die Freisetzung des exzitatorischen Acetylcholin hemmt.

Weitere Informationen gibt es unter www.immm.hmt-hannover.de/ "Schwerpunkte der Grundlagenforschung"

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