Infektionen

Bundeswehr-Sanitäter setzen im Kongo vor allem auf Mückenschutz

Vom 10. Juli an sollen 780 Soldaten aus Deutschland im Rahmen eines Einsatzes der Europäischen Union die ersten freien Wahlen im Kongo überwachen. Tropenmediziner der Bundeswehr sehen sich in dem zentralafrikanischen Staat vor neuen Herausforderungen. Doch die Soldaten und Sanitäter sind laut Bundeswehr bestens gerüstet, um Krankheiten wie Malaria und HIV-Infektionen zu entgehen.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:

Die etwa 2000 Mann starke europäische EUFOR-Truppe soll bei ihrem Einsatz in erster Linie mögliche Unruhestifter abschrecken und im Notfall ausländische Wahlbeobachter ausfliegen. Daher hoffen alle Beteiligten auf einen friedlichen Einsatz.

Falls Soldaten dennoch so schwer verletzt würden, daß sie eine Bluttransfusion bräuchten, ist nach Angaben des Tropenmediziners Dr. Thomas Harbaum, Sanitätsoffizier der Bundeswehr am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut, gewährleistet, daß nur sicheres Blut verwendet wird. "Keinesfalls kommen afrikanische Blutkonserven zum Einsatz", sagte Harbaum der "Ärzte Zeitung". Der Tropenmediziner wird das Einsatzkontingent als Oberfeldarzt nach Zentralafrika begleiten.

Mehr Sorgen als HIV bereitet die Malaria

Mehr Sorgen als mögliche HIV-Infektionen durch Bluttransfusionen macht den Tropenmedizinern die Malaria, eine der häufigsten Todesursachen in Afrika. Zum Schutz vor Mückenstichen tragen Soldaten und Sanitäter nach Harbaums Angaben spezielle Tropen-Uniformen.

Die Spezial-Uniformen sind am Zentralinstitut der Bundeswehr in Koblenz entwickelt worden. Sie sind mit dem Insektenschutzmittel Permethrin imprägniert. Bei Tests hätten Insekten selbst dann noch auf das Abwehrmittel reagiert, als die Uniformen bereits hundertmal gewaschen waren, so Harbaum.

Zudem würden sie bereits seit gut zwei Jahren eingesetzt, unter anderem in Afghanistan. "Ich habe so eine Uniform im Sudan und in Indonesien bereits getragen", sagt der Sanitätsoffizier. "Ob dazu noch Mückenschleier an Helmen befestigt werden, bleibt abzuwarten", so Harbaum. Tabletten, Sprays für die Haut und Mückennetze über den Betten werden seinen Angaben zufolge zur Malariaprophylaxe aber auf jeden Fall eingesetzt.

Bei einem Besuch von Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Kongo haben Soldaten des Vorauskommandos jedoch über Ausrüstungsmängel geklagt. So hätten sie weder dem Klima angepaßte Stiefel noch taugliche Sonnenbrillen bekommen. Jung versprach eine Überprüfung.

"Uns ist daran gelegen, die Soldaten so effektiv wie möglich vor Krankheiten zu schützen", so Harbaum. Dazu gehöre auch, daß die Einsatzkräfte vorher auf Tropentauglichkeit geprüft werden. Zudem sind sie gegen viele Krankheiten geimpft worden. So besteht Harbaum zufolge Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Masern-Mumps-Röteln, Hepatitis A und B, Typhus, Meningokokken-Meningitis (ACW135Y), Gelbfieber und Tollwut.

Im Vorfeld sind auch die etwa 140 mitreisenden Ärzte und Sanitäter nach den Worten von Harbaum noch einmal geschult worden, damit sie bei allen einschlägigen Symptomen, wie zum Beispiel Fieber oder Husten, immer auch an die Malariadiagnostik denken. Vor Ort werden in Libreville (Gabun) und Kinshasa (Kongo) zwei Feldlazarette aufgebaut. Das Sanitätskontingent plant, die Soldaten im Einsatz unter anderem regelmäßig über Notwendigkeit und Wichtigkeit einer dauerhaften Malariaprophylaxe zu informieren.

Tropenmediziner sieht dem Einsatz mit Respekt entgegen

Harbaum selbst sieht dem Einsatz "mit Respekt" entgegen, obwohl er Zentralafrika aus eigener Erfahrung kennt: "Wir wissen, daß im Kongo andere Aufgaben auf uns Tropenmediziner zukommen als anderswo. Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, 800 Soldatinnen und Soldaten über Wochen hinweg dazu zu bewegen, daß sie zum Beispiel ihre Malariaprophylaxe nicht vernachlässigen oder kompromißlos Hygienegrundsätze umsetzen."

Die Gefahr einer Lungenpest-Infektion schätzt Harbaum dagegen gering ein. Auf eine Häufung von Pesterkrankungen im Nordosten des Kongo hatte kürzlich die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hingewiesen. Doch zwischen den Einsatzorten der Bundeswehrsoldaten und der betroffenen Provinz Ituri liegen etwa 1800 Kilometer.

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