Computerchip steuert Schließmuskel des Darms

BERLIN (cin). Mit einer Sakralnervenstimulation können bis zu 80 Prozent der Patienten mit Darminkontinenz wieder Kontrolle über ihren Schließmuskel erlangen. In Berlin sind mittlerweile 20 Patienten, weltweit etwa 1500, erfolgreich behandelt worden.

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"Die Sakralnervenstimulation ist eine sehr effektive Methode. Ein Sakralnerv wird dauerhaft stimuliert. Zur Defäkation müssen die Patienten dann den Schrittmacher deaktivieren", sagt Privatdozent Anton J. Kroesen von der Charité Berlin. Bei dem Eingriff werden zunächst die Nerven S 2 bis S 4 punktiert.

"Dabei versuchen wir herauszufinden, welche Nervenwurzel den Schließmuskel und die Beckenbodenmuskulatur am stärksten innerviert", erklärt der Chirurg von der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie.

Diese Nervenwurzel wird dann mit einer Elektrode versehen, die für zwei Wochen nach extern verlegt wird. In dieser Testphase zeigt sich, ob die Sakralnervenstimulation zur Kontinenz führt. Darum müssen die Patienten in der Zeit intensiv Buch über ihr Stuhlverhalten führen.

War die Testphase erfolgreich, wird die 0,5 mm große Elektrode in die Nähe des zu stimulierenden Nerven gebracht und im Foramen sacrale des Os sacrum verankert. Der Schrittmacher mit einem Durchmesser von 3,5 cm und 8  mm Dicke wird subkutan in die Pobacke implantiert. Die genaue Lokalisation wird vorher mit den Patienten abgesprochen, damit sie nicht im Alltag behindert werden.

Vorsicht ist etwa bei Flugreisen geboten. "Genau wie bei Herzschrittmachern erhalten die Patienten einen Ausweis und dürfen Metalldetektoren nicht passieren", so der Chirurg. Kernspintomographie kann zum Defekt des Geräts führen, Kaufhausdetektoren schlagen nicht an.

Die Sakralnervenstimulation ist für fast alle Formen der Inkontinenz geeignet, bei denen noch eine Restinnervation des Muskels vorhanden ist. Kontraindiziert ist sie bei offener Spina bifida. "Komplikationen, etwa Blutungen oder Infektionen, sind sehr selten", so Kroesen. "Positiv für Patienten ist, daß die erfolgreiche Therapie höchstwahrscheinlich lebenslang anhält".

Die ersten Achtjahres-Ergebnisse einer prospektiven Studie weisen ebenfalls darauf hin. Lediglich die Schrittmacherbatterien müssen nach vier bis sechs Jahren gewechselt werden. Die neue Methode, die auch an den Unikliniken Erlangen und München angeboten wird, wird von einigen Kassen übernommen. Sie wird bei der 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vorgestellt.

Etwa 1,9 Millionen Bundesbürger leiden an Darminkontinenz. "Es wird vermutet, daß nur 30 bis 50 Prozent der Betroffenen den Arzt aufsuchen", so Professor Heinz J. Buhr, Direktor der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie, Charité Berlin. "Das ist um so schlimmer, da vielen Patienten geholfen werden könnte, die es unbehandelt in soziale Isolation treibt", so Buhr zur "Ärzte Zeitung".

Infos zum Tagungsprogramm der DGVS unter: www.dgvs.de

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