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Infektiologenkongress

Corona: Sommer, Sonne, Delta-Variante?

Müssen wir bereits im Sommer wieder mit einem Anstieg der Corona-Fallzahlen rechnen, weil die Delta-Variante sich aktuell auch hierzulande ausbreitet? Virologe Prof. Christian Drosten hält das für plausibel.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Person am Meer, in der Hand eine Schutzmaske.

Der Mundschutz wird wohl im Sommer bleiben: Schon bald könnte die hochinfektiöse Delta-Variante das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren.

© nito / stock.adobe.com

Berlin. Die aktuell auch in Deutschland beobachtete Zunahme der Delta-Variante (B.1.617.2) bei den positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten sollte man „wirklich ernst nehmen“, sagte Professor Christian Drosten, Virologe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, beim virtuellen Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT). Mittlerweile liegt der Anteil der Delta-Variante in Deutschland bei 15 Prozent (KW24).

Dabei müsse man sich im Klaren sein, dass sich „in Wirklichkeit schon mehr abspielt, als wir wissen“. Mit den aktuell vorliegenden Zahlen blicke man eigentlich zwei Wochen in die Vergangenheit, so Drosten. Bis Anfang Juli könnte die neue Variante auch in Deutschland das Infektionsgeschehen dominieren und bereits im Sommer zu einem erneuten Anstieg der Fallzahlen führen. Dieses – bislang nur hypothetische – Szenario ergibt sich aus einem Vergleich mit dem Vereinigten Königreich.

Inzidenzanstieg trotz guter Impfraten

Den ersten eindeutigen Anstieg der bestätigten COVID-19-Fälle habe man im Königreich am 25. Mai gesehen, berichtete Drosten. Zu diesem Zeitpunkt habe man bereits Impfquoten von 57 Prozent bei den Erst- und 35 Prozent bei den Zweitdosen erreicht. „Wenn wir von einer ungefähren Verdopplung einmal pro Woche ausgehen und die gemeldeten Fälle in der jeweiligen Vorwoche infiziert wurden, passt das genau“, rechnete der Virologe vor. Auch in Deutschland hat sich der Anteil der Delta-Variante zuletzt innerhalb einer Woche beinahe verdoppelt.

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Hierzulande werden für Anfang Juli Impfraten prognostiziert, die laut Drosten „sehr vergleichbar“ sind mit den englischen zu Beginn des Inzidenzanstiegs: 55 beziehungsweise 35 Prozent für die Erst- beziehungsweise Zweitimpfung. Nach dem geschilderten Szenario wäre man mit der Delta-Variante „Anfang Juli im Bereich der Dominanz“ und müsste damit rechnen, dass ab diesem Zeitpunkt auch hierzulande die Meldezahlen wieder steigen. Drosten: „Wir haben durch die Impfungen noch keine ausreichende Immunität zur Eingrenzung eines möglichen Inzidenzanstiegs.“

Infektionen von Schulen auf Freizeitbereich übergeschwappt

Der Virologe geht zwar davon aus, dass die Impfung generell „sehr gut gegen die Delta-Variante schützt“. Die Schutzrate gegen schwere Verläufe betrage bei vollständig Geimpften 94 Prozent. Auf Populationsebene machen sich jedoch die immer noch großen Impflücken bemerkbar, gerade in der Altersgruppe der Schüler und jungen Erwachsenen.

Just in diesen Gruppen beobachtet man in England laut Drosten „sehr viel Infektionstätigkeit“. Losgegangen sei es in den Bildungseinrichtungen. Mittlerweile seien die Infektionen aber „auf den Gastronomie- und Veranstaltungsbereich übergeschwappt“. England habe bereits im Frühjahr Restaurants und Außenterrassen geöffnet, hinzu kämen jetzt noch Feiertätigkeiten im Rahmen der Fußball-EM. „Es gibt wieder eine Verschiebung hin zu den jungen Erwachsenen, genau wie in der letzten Winterwelle“, warnte Drosten. Mittlerweile wurden im Vereinigten Königreich geplante Lockerungen wegen der Delta-Variante wieder zurückgenommen.

Delta-Variante mit mehr Klinikeinweisungen

Noch nicht abschließend geklärt ist nach Drosten auch die wichtige Frage, ob eine Infektion mit Delta zu schwereren Symptomen führt. „Irreführend“ sind dem Virologen zufolge Medienberichte aus den vergangenen Wochen, in denen davon die Rede war, dass es mit der Delta-Variante eine Verschiebung des Symptomspektrums in Richtung obere Atemwegserkrankungen gebe: „Dafür gibt es keine Evidenz!“

Die Rate der stationären Behandlungen liege im Vergleich mit der Alpha-Variante B.1.1.7 höher. Dies bestätigt eine Studie auf der Basis von 19.543 bestätigten Fällen (Lancet 2021; online 14.Juni). Hier war die Rate der Krankenhausaufnahmen 14 Tage nach positivem PCR-Test bei Vorliegen der Delta- gegenüber der Alpha-Variante um 85 Prozent gesteigert.

Dem Virologen zufolge gibt es aber auch eine „sehr gute Nachricht“: die deutlich niedrigere Case-Fatality-Rate (CFR), also die Sterberate der nachweislich mit Delta Infizierten. Diese lag in England zuletzt bei 0,3 Prozent innerhalb von 28 Tagen (gegenüber 2 Prozent mit Alpha). Der Wert sei „zwar noch nicht aufgesättigt“, so Drosten, weil unter den derzeit hospitalisierten Patienten, die an der Delta-Variante erkrankt sind, in den nächsten Wochen wohl noch einige Todesfälle zu erwarten seien. Der Virologe rechnet jedoch damit, dass die CFR letztlich reduziert bleiben wird.

Sein Appell lautete daher im aktuellen NDR-Podcast „Corona Update“: „Impfen ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen.“ (Mitarbeit: bae)
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