Schlafstörung

Darum klappt's mit dem Schlummer auswärts nicht

Der "Erste-Nacht-Effekt" ist keine Seltenheit. Forscher haben ihm nun nachgespürt.

Veröffentlicht: 26.04.2016, 07:30 Uhr

PROVIDENCE. "Wenn du das Kopfkissen wechselst, schläfst Du nicht", sagt ein japanisches Sprichwort. Jetzt haben US-Forscher herausgefunden, warum die erste Nacht in fremden Betten oft so wenig erholsam ist.

Die linke Hirnhälfte verharrt in der ungewohnten Umgebung in einer Art Habacht-Stellung und bleibt wacher als die rechte, berichten jetzt Yuka Sasaki von der Brown University (Providence, Rhode Island) und Kollegen (Current Biology 2016, online 21. April).

"Wir wissen, dass Meerestiere und manche Vögel einen solchen Ein-Hemisphären-Schlaf haben, bei dem eine Hirnhälfte wach bleibt und die andere schläft", sagte die Professorin für Kognitive Linguistik und Psychologie.

Zwar würden menschliche Gehirne nicht ebenso asymmetrisch arbeiten wie die von Meerestieren. Aber womöglich "haben unsere Gehirne ein Miniatur-System dessen, was Wale und Delphine haben", so Sasaki.

Hirnstrommessungen im Schlaf

Das Team nahm mit Hirnstrommessungen und bildgebenden Verfahren den Schlaf von 35 Freiwilligen in der ersten und der achten Nacht im Schlaflabor unter die Lupe.

Ergebnis: In der ersten Nacht waren die linken Hirnhälften in der sonst erholsamen, langwelligen Tiefschlafphase besonders leicht anzusprechen.

In der linken Hemisphäre befindet sich unter anderem das sogenannte Default- Mode-Netzwerk. Es wird im wachen Zustand beim Nichtstun aktiviert, sorgt für ein gewisses Hintergrundrauschen und generiert Tagträumereien und Gedankenketten.

Professor Dieter Riemann vom Universitätsklinikum Freiburg nennt die Studienergebnisse neu und hochinteressant. "Die Ergebnisse passen in eine Forschungsrichtung, die man ‚local sleep‘ nennt - in diesem Fall dann allerdings eher ‚local wakefulness‘. Diese geht davon aus, dass Schlaf eben kein absolut homogener Zustand des gesamten Gehirns ist", so der Schlafforscher.

Entspannungstechniken als Hilfe

Seiner Meinung nach lassen sich daraus generell Strategien zur Behandlung von Schlafstörungen entwickeln. "Wir gehen ja davon aus, dass bei chronischen Insomnien ein permanentes Hyperarousal (Übererregtheit) - letztendlich Ausdruck einer Habacht-Stellung - vorliegt."

Bei chronischen Schlafstörungen könnten Entspannungstechniken, aber auch gezieltes Später-ins-Bett-Gehen helfen.

Um dem Fluch der ersten Nacht zu entgehen oder ihn zumindest zu lindern, empfiehlt Sasaki Reisenden, ihr eigenes Kopfkissen mitzunehmen oder stets ähnliche Hotels zu buchen.

Möglicherweise seien Vielreisende jedoch auch in der Lage, die nächtliche Habacht-Stellung auszuschalten. "Menschliche Gehirne sind sehr flexibel." An der Brown University versuche man derzeit, den "wachen" Teil des Gehirns mit einer bestimmten Technik auszuschalten und zu testen, ob sich der Schlaf dadurch verbessern lasse. (dpa)

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