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Progredienzangst

Das Damoklesschwert, das über Krebskranken schwebt

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Die Sorge vor dem Fortschreiten der Krebs-Erkrankung kann selbst Jahre nach einer abgeschlossenen Behandlung immer wieder aufflackern.

Die Sorge vor dem Fortschreiten der Krebs-Erkrankung kann selbst Jahre nach einer abgeschlossenen Behandlung immer wieder aufflackern.

© Petro Feketa / fotolia.com

Das Spektrum der Belastungen, mit denen Krebspatienten konfrontiert werden, ist vielfältig: Außer körperlichen Beeinträchtigungen umfasst es vor allem psychische und soziale Aspekte sowie Kommunikationsdefizite, vor allem den behandelnden Arzt betreffend.

Diese Ergebnisse aus Studien, bei denen der Frage-bogen zur Belastung von Krebskranken eingesetzt worden war, beschreibt Professor Peter Herschbach vom Klinikum rechts der Isar der TU München in seiner CME-Fortbildung "Progredienzangst".

An der Spitze der psychosozialen Belastungen stehe dabei die Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung, so der Direktor des Roman-Herzog-Krebszentrums. Rund 21 Prozent der Patienten erleben diese Progredienzangst als stark oder sehr stark belastend. Die Patienten fürchten noch Jahre nach der abgeschlossenen Behandlung, der Krebs könnte wiederkommen oder sich ausbreiten.

Das spezielle Merkmal der Progredienzangst ist, dass es sich um eine reale oder rationale und im Prinzip vernünftige Befürchtung handelt. Wenn ein Krebspatient Angst davor hat, ein Rezidiv zu bekommen oder Metastasen, so ist die Befürchtung völlig berechtigt.

Diese rationale Angst unterscheidet sich somit grundsätzlich von psychischen Angststörungen, wie sie in der ICD-10 beschrieben werden. Das Kernmerkmal von Angststörungen wie phobische Störungen, Panikattacken oder generalisierte Angststörung ist ihr neurotischer Charakter, das heißt ihre Irrationalität.

Wenn ein Krebspatient jedoch Angst vor einem Rezidiv hat, ist er nicht neurotisch, sondern psychisch gesund und vernünftig. Diese Besonderheit der Progredienzangst hat viele Konsequenzen für Diagnostik, Indikationsstellung und Behandlung.

Ziel der Psychotherapie bei Progredienzangst ist es, dem Patienten "Werkzeuge" an die Hand zu geben, die ihm im Alltag helfen, mit der Angst umzugehen, sich nicht passiv überfluten zu lassen und die Kontrolle zu behalten.

Ziel der Psychotherapie bei Progredienzangst ist es, dem Patienten "Werkzeuge" an die Hand zu geben, die ihm im Alltag helfen, mit der Angst umzugehen, sich nicht passiv überfluten zu lassen und die Kontrolle zu behalten.

© jamiehooper / fotolia.com

So wurde zur Diagnose zum Beispiel ein spezieller Progredienzangst-Fragebogen entwickelt. Er liegt in einer Langform (PA-F) mit 43 Punkten vor sowie in einer eindimensionalen Kurzform (PA-KF) mit 12 Punkten.

Bisher verfügbare Informationen zu Häufigkeit und Bedeutung von Progredienzangst sind naturgemäß Mittelwerte bisher untersuchter Stichproben.

Herauskristallisiert haben sich dabei vor allem folgende Parameter, die mit einer erhöhten Angstausprägung verknüpft sind: geringes Alter, weibliches Geschlecht, eine schlechte wirtschaftliche familiäre Situation, Anzahl von jährlichen Krankheitstagen, Häufigkeit von Arztbesuchen, progredienter Krankheitsverlauf und Chemotherapie.

Menschen, die mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden, stehen am Beginn einer oft jahrelangen Auseinandersetzung mit körperlichen und psychosozialen Belastungen. Diese Belastungen spielen in alle Bereiche des Lebens hinein und sind nicht auf den Patienten beschränkt, sondern betreffen die ganze Familie. Da Patienten ihren seelischen Zustand und insbesondere ihre Ängste häufig nicht von sich aus äußern, ist es wichtig, dass der Arzt aktiv danach fragt, etwa mit Formulierungen wie:

  • Welche Gedanken gehen Ihnen in diesen Tagen besonders im Kopf herum?
  • Was befürchten Sie am meisten, wenn Sie an die Zukunft denken?
  • Gibt es etwas, was Ihnen momentan besondere Sorgen macht?

Die empathische, aber konkrete Ansprache der Angstthemen und eventuell die Überweisung an einen Psychoonkologen sind ein besserer Weg als das Infragestellen der Angst oder bloße Ermutigungen. (otc)

Für Fachkreise: Zu dem Modul "Progredienzangst"

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