Kommentar zu Frauen-Herzinfarkt

Der nicht so kleine Unterschied

Beim Herzinfarkt fehlt auch bei jungen Frauen oft das Kardinalsymptom Brustschmerz.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:

Der individualisierten Medizin gehört die Zukunft. Viel Energie wird in die Erforschung und Identifizierung krankheitsspezifischer Biomarker und die Entwicklung maßgeschneiderter Therapien gesteckt.

Die nächstliegende Differenzierung jedoch, die auf den ersten Blick erkennbar ist, bleibt zu oft unbeachtet: die Differenzierung in Mann und Frau.

Dabei ist bekannt, dass Männer und Frauen "anders" krank werden. Sie sind nicht nur unterschiedlich empfänglich für Krankheiten, das gleiche gesundheitliche Problem kann sich bei Mann und Frau auch völlig anders bemerkbar machen.

Speziell bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der kleine Unterschied offenbar entscheidend: Frauen etwa klagen bei einem Herzinfarkt deutlich seltener über Schmerzen in der Brust als Männer.

Ist die Frau zudem jünger, steigt die Gefahr, dass der Infarkt unerkannt bleibt. In einer aktuellen Studie aus Kanada etwa fehlten bei einer von fünf Herzinfarktpatientinnen um die 50 die typischen Kardinalsymptome.

Und die geschlechtsspezifischen Unterschiede machen bei der Diagnostik nicht halt, auch bei der Pharmakotherapie zeichnet sich ab, dass Frauen und Männer anders sind.

Zwar steht die sogenannte Gender-Medizin mit ihrer Forschung noch am Anfang, doch schon jetzt lässt sich sagen: Wer die grundlegenden biologischen Unterschiede nicht ernst nimmt, diskriminiert sowohl Männer als auch Frauen.

Lesen Sie dazu auch: Häufig bei Frauen: Herzinfarkt ohne Brustschmerzen

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