Direkt zum Inhaltsbereich

Diabetes bei jedem Elften entdeckt

HAMBURG (hbr). An den Ständen der Diabetesaktion "Gesünder unter 7" haben sich im vergangenen Jahr 2416 Passanten ohne bekannten Diabetes untersuchen lassen. Bei jedem Elften von ihnen wurde ein Diabetes festgestellt. Und von den Übrigen hatte jeder Zweite ein erhöhtes Risiko für die Krankheit.

Veröffentlicht:
Die Gesundheitsberatung bei der Diabetesaktion in Einkaufszentren kommt gut an.

Die Gesundheitsberatung bei der Diabetesaktion in Einkaufszentren kommt gut an.

© Foto: Ogilvy

Die Ergebnisse der Aktion "Gesünder unter 7" vom vergangenen Jahr bestätigen den hohen Aufklärungsbedarf, hat deshalb Dr. Richard Daikeler aus Sinsheim betont. Denn den Zahlen zufolge war nur jeder dritte Teilnehmer nicht Diabetes-gefährdet, wie der 2. Vorsitzende des Bundesverbands niedergelassener Diabetologen bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Aktionen in Hamburg berichtet hat.

Die Aktionen haben schon 250 000 Menschen erreicht

Die Aktion tourt seit 2005 durch deutsche Einkaufszentren, um über Diabetes und die Bedeutung des HbA1c-Wertes aufzuklären. In drei Jahren haben über 250 000 Interessierte die Aktionsstände besucht. Passanten können dort einen Risikofragebogen zu Diabetes ausfüllen und Blutzucker, Blutdruck und Taillenumfang messen lassen. Bei Diabetikern wird zudem auf Wunsch der HbA1c-Wert ermittelt. Anhand der Ergebnisse werden die Teilnehmer dann von Diabetes-Beraterinnen und Diabetologen an den Ständen beraten. 3244 Passanten haben im vergangenen Jahr die Angebote wahrgenommen.

Das Ergebnis: 2416 der Teilnehmer hatten keinen Diabetes - jedenfalls keinen bisher bekannten. Bei 225 von ihnen - also neun Prozent - stellten die Experten dann aber doch die Diagnose Diabetes. Dazu kam eine hohe Zahl weiterer gefährdeter Menschen: 54 Prozent hatten ein leicht bis stark erhöhtes Risiko, Diabetes zu entwickeln. So bewegen sich 37 Prozent der Befragten zu wenig - eines der wichtigsten Verhaltensrisiken. Bei jedem Zweiten war der Taillenumfang zu hoch (über 88 cm bei Frauen, über 102 cm bei Männern) - ein Hinweis auf abdominelle Adipositas als Teil des Metabolischen Syndroms. Weiteren zwei Dritteln drohen vermehrt Folgen für Herz, Hirn und Nieren, weil ihr Blutdruck zu hoch ist.

Und auch bei den bereits bekannten Diabetikern lief nicht alles optimal. So lag der HbA1c-Wert bei 40 Prozent der Betroffenen über dem Zielwert von sieben Prozent, bei jedem achten sogar über acht Prozent, so Daikeler bei der Veranstaltung von Sanofi-Aventis.

Diabetiker wissen nur wenig über den HbA1c-Wert

An zu seltenen Messungen kann das nicht liegen. Denn bei 80 Prozent der Befragten wird der HbA1c-Wert mindestens alle drei Monate ermittelt. Das hat eine Umfrage bei 237 Typ-2-Diabetikern ergeben. Jeder Fünfte kannte seinen Wert aber nicht. Und jeder Zweite wusste nicht, dass damit die langfristige Qualität der Stoffwechselkontrolle ermittelt wird und dass sich anhand der Werte das Risiko für Folgeschäden einschätzen lässt. "Da besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf", ist das Fazit von Daikeler.

Weitere Informationen gibt es unter www.gesuender-unter-7.de

Nächste Aktion im April in Wolfsburg

Die nächste Aktion von "Gesünder unter 7" findet am 24. und 25. April in Wolfsburg (City Galerie) statt.

An "Gesünder unter 7" beteiligen sich außer Sanofi-Aventis weitere Partner aus der Industrie: Die Firma Progen führt die HbA1c-Messungen durch, das Unternehmen Omron ist für die Brutdruck-Checks zuständig. Außerdem nimmt mit der DAK erstmals eine gesetzliche Krankenkasse teil. Medienpartner der Aktion ist die "Ärzte Zeitung".

(hbr)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?

Amylin-Analogon plus Inkretinmimetikum

Typ-2-Diabetes: Wie wirksam ist die Fixkombi aus Cagrilintid plus Semaglutid?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übersicht

Impfungen gegen Atemwegserreger: Das sind die aktuellen Empfehlungen

Lesetipps
Cannabis-Blatt

© yellowj / stock.adobe.com

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Thermostatisches Heizkörperventil, das die Raumtemperatur zur Energieeinsparung regelt.

© MPfoto71 / CHROMORANGE / picture alliance

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant