Umfassende Analyse legt nahe

Diabetes und Bluthochdruck erhöhen Krebsrisiko

Wissenschaftler werteten die Daten von fast 5 Millionen Dänen aus. Ihr Ergebnis: Frauen und Männer mit Diabetes haben ein um etwa 20 Prozent gesteigertes Krebsrisiko, bei Hypertonie ist es um rund 10 Prozent erhöht.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Niederschmetternde Krebsdiagnose: Offenbar haben Diabetiker und Hypertoniker ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken.

Niederschmetternde Krebsdiagnose: Offenbar haben Diabetiker und Hypertoniker ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken.

© JPC-PROD / fotolia.com

KOPENHAGEN. Stoffwechsel-Erkrankungen werden schon seit geraumer Zeit mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht, wobei das Risiko vor allem bei dicken Menschen erhöht zu sein scheint.

Hier liegt der Verdacht nahe, dass die mit Adipositas verbundenen Stoffwechselveränderungen zur Vermehrung von Krebszellen beitragen können. Welche Faktoren genau dazu beisteuern, wollten dänische Forscher anhand mehrerer nationaler Register herausfinden.

Verschreibungs- und Diagnosedaten berücksichtigt

Die Arbeitsgruppe um Siv Mari Berger von der Universität in Kopenhagen hat sich zu diesem Zweck Angaben von allen Dänen angeschaut, die sich zwischen 1996 und 2011 im Alter von 20 bis 89 Jahren befanden (BMC Cancer 2016;16:133).

Von diesen Personen analysierten sie Verschreibungs- und Krankenhausdiagnosedaten, um herauszufinden, wer Bluthochdruck, Diabetes oder Hypercholesterinämie hatte. Bei diesen Patienten schauten sie in den Folgejahren nach Krebsdiagnosen.

Die Forscher berücksichtigten Angaben zu mehr als 4,8 Millionen Dänen, die zunächst noch nicht an Krebs erkrankt waren. Vom Zeitpunkt der Aufnahme in die Analyse bis Ende 2012 vergingen im Schnitt 12,6 Jahre. In dieser Zeit wurden rund 423.000 Krebserkrankungen diagnostiziert.

Zum Ende des Analysezeitraums hatten 6,7% der Männer und 5,6% der Frauen einen Diabetes, 22% und 25% eine Hypertonie sowie 15% und 14% eine Hypercholesterinämie.

Wie sich zeigte, erkrankten Dänen, die Antihypertensiva oder Antidiabetika benötigten, etwas häufiger an irgendeiner Form von Krebs als solche ohne Hinweise auf Diabetes oder Hypertonie.

Dagegen gab es kein Zusammenhang zwischen Statinkonsumenten und Krebsinzidenz, was darauf schließen lässt, dass eine behandelte Hypercholesterinämie das Krebsrisiko nicht erhöht.

Verdoppelte Inzidenz nach einer Diabetesdiagnose

Am höchsten war die Krebsinzidenz unmittelbar nach der Diabetesdiagnose. In den folgenden drei Monaten erkrankten Männer doppelt so häufig wie Männer ohne Diabetes an Krebs, bei Frauen war die Inzidenz um den Faktor 1,8 erhöht. Anschließend sank die Inzidenz bei beiden Geschlechtern jedoch wieder und lag nach einem Jahr noch etwa 20% über der von diabetesfreien Dänen.

Um diesen Bereich pendelte sie dann in den Folgejahren. Möglicherweise führte eine gründliche ärztliche Untersuchung um den Zeitpunkt der Diabetesdiagnose zur erhöhten Erfassung von Tumoren.

Ein ähnliches Bild ergab sich für Hypertoniepatienten. Hier war die Krebsinzidenz in den ersten drei Monaten nach der Hypertoniediagnose um etwa 50% erhöht, um dann rasch auf Werte um 10% über der von Dänen ohne Hypertonie zu fallen.

Bei jungen Patienten mit Hypertonie oder Diabetes war die Inzidenz relativ betrachtet am höchsten, was wenig erstaunlich ist, da die absolute Krebsinzidenz mit dem Alter deutlich zunimmt.

Schauten die Forscher nach einzelnen Tumorarten, dann waren ein Diabetes und eine Hypertonie bei Frauen mit einem erhöhten Risiko von Tumoren der Niere, Leber, des Endometriums und des Pankreas verbunden, bei Männern mit Geschwülsten an Leber, Niere und Darm, Pankreas und Prostata.

Die Forscher um Berger ziehen aus der Studie den Schluss, dass vor allem ein Diabetes das Krebsrisiko zu erhöhen scheint.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Werner G. Gehring

Literatur

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hätte mir in Anlage zu diesem Artikel gerne die Details zur Literatur gewünscht.

Dankeschön.

Ihr Werner G. Gehring


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