Therapieanpassung

Die Hürde "therapeutische Trägheit"

Bis eine erforderliche Therapieintensivierung bei Diabetikern tatsächlich erfolgt, vergeht in der Praxis oft unnötig viel Zeit.

Veröffentlicht: 02.09.2013, 11:05 Uhr
Werden die vereinbarten Zielwerte erreicht?

Werden die vereinbarten Zielwerte erreicht?

© Mathias Ernert

LEICESTER. Experten nennen es "clinical inertia" oder auch "therapeutische Trägheit". Gemeint ist die zeitliche Verzögerung, die eintritt, bis etwa ein erhöhter HbA1c-Wert durch Intensivierung der antidiabetischen Therapie dem in Leitlinien empfohlenen Zielwert wieder angenähert wird.

Ein britisch / dänisches Forscherteam um Professor Kamlesh aus Leicester hat in einer Studie untersucht, innerhalb welcher Zeiträume der Schritt zur Therapieanpassung gemacht wurde.

Grundlage der Analyse bildeten Daten von mehr als 81.500 Patienten mit Typ-2-Diabetes, deren Behandlung in einem großen Register (U. K. Clinical Practice Data Link) über Jahre nachverfolgt werden konnte (Diabetes Care 2013, online 22. Juli).

Bei Diabetikern, deren HbA1c-Werte unter der Behandlung mit einem oralen Antidiabetikum (OAD) höher als 7 Prozent waren, verstrichen bis zur Verordnung eines zweiten OAD im Median 2,9 Jahre.

Noch sieben Jahre bis zur Insulintherapie

Lagen die HbA1c-Werte im Bereich über 7,5 oder 8 Prozent, war die Zeitspanne bis zur Therapieintensivierung mit einem weiteren OAD mit 1,9 respektive 1,6 Jahren etwas kürzer. Bis zur Einleitung einer Insulintherapie vergingen bei diesen Patienten aber noch 7,1 respektive 6,9 Jahre.

Selbst dann, wenn die Patienten bereits drei OAD einnahmen und trotzdem HbA1c-Werte im Bereich über 7,5 oder 8 Prozent hatten, dauerte es im Median 6,1, respektive 6,0 Jahre, bis eine Behandlung mit Insulin begonnen wurde.

Bei Diabetikern, die ein OAD erhielten, betrug der mittlere HbA1c-Wert zum Zeitpunkt der Therapieintensivierung mit einem zweiten OAD bereits 8,7 Prozent. Eine Optimierung der Therapie mit Insulin erfolgte in der Regel erst, wenn die HbA1c-Werte deutlich über 9 Prozent lagen. (ob)

Mehr zum Thema

Kohortenstudie

Welches Antidiabetikum schützt das Herz am besten?

Schlagworte
Das könnte Sie auch interessieren
Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Erfahrungen aus der Praxis

Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Was kann ein GLP-1-RA?

Start in die Injektionstherapie

Was kann ein GLP-1-RA?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Studienlage im Überblick

GLP-1-RA für Erstverordner

Studienlage im Überblick

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Bevölkerung unter der Lupe: Den höchsten Anteil an Herzerkranken gibt es weiterhin in den neuen Bundesländern.

Ischämische Herzerkrankung

Wo es besonders viele Herzkranke gibt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden