Blutdruck-Therapie

Diuretika nur für Dicke?

Die Körperfülle eines Menschen hat möglicherweise einen Einfluss darauf, wie effizient bestimmte Blutdrucksenker Infarkte vorbeugen. Das zeigen neue Studienergebnisse.

Von Peter OverbeckPeter Overbeck Veröffentlicht:
Es bleibt ungeklärt, warum manche Blutdrucksenker bei Dicken besser zu wirken scheinen.

Es bleibt ungeklärt, warum manche Blutdrucksenker bei Dicken besser zu wirken scheinen.

© Arteria Photography

NEW YORK. Das Körpergewicht ist gemeinhin kein Differenzialkriterium für die Wahl eines Antihypertensivums.

Gleichwohl ist in Studien bei Patienten mit KHK oder Hypertonie wiederholt beobachtet worden, dass die Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei fettleibigen Menschen niedriger war als bei schlanken.

Unklar ist, was diesem als "obesity paradox" bekannten Phänomen zugrunde liegt.

Studienteilnehmer in drei Gewichtskategorien zugeordnet

Könnte es sein, dass unterschiedliche Blutdrucksenker je nach Gewichtskategorie der Patienten unterschiedlich wirksam sind? Dieser Frage ist eine Forschergruppe in einer Analyse von Daten der ACCOMPLISH-Studie nachgegangen (Lancet, online 6. Dezember).

In dieser Studie sind bekanntlich zwei Blutdrucksenker-Kombinationen - der ACE-Hemmer Benazepril, entweder kombiniert mit Amlodipin oder dem Thiaziddiuretikum HCTZ - in ihrer Wirkung auf kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität bei mehr als 11.000 Patienten mit Hypertonie und weiteren Risikofaktoren verglichen worden.

Für die aktuelle Analyse hat die Studiengruppe alle Teilnehmer auf Basis ihres Body-Mass-Indexes (BMI) drei Gewichtskategorien zugeordnet, nämlich Fettleibigkeit (n=5709), Übergewicht (n=4157) und Normalgewicht (n=1616).

Dann wurde nach der Höhe der Ereignisraten (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) in diesen Gewichtklassen in Abhängigkeit von der Kombi-Therapie geschaut.

Dicke Menschen: Diuretikum "ein logischer Ansatz"

Die Benazepril/Amlodipin-Kombi erwies sich in allen Gewichtsgruppen als nahezu gleich effektiv. Anders die Benazepril/HCTZ-Kombi: Unter dieser Therapie war die Ereignisrate in der Gruppe der Schlanken signifikant höher als in der Gruppe der Fettleibigen (Risikoerhöhung: 68 Prozent).

Die Zahl der Ereignisse pro 1000 Personenjahre lag bei 30,7 (Normalgewicht), 21,9 (Übergewicht) und 18,2 (Fettleibigkeit).

Bei schlanken Hypertonikern reduzierte die Benazepril/Amlodipin-Kombi das Risiko um 43 Prozent stärker als die Benazepril/HCTZ-Kombi.

Somit scheint das Diuretikum zwar bei Fettleibigkeit von ähnlicher protektiver Wirksamkeit zu sein wie der Kalziumantagonist; bei Patienten mit Normalgewicht schwächt sich diese Wirkung aber offenbar deutlich ab.

Erhöhte Plasma- und Herzminutenvolumina seien pathophysiologische Charakteristika der Hypertonie bei Fettleibigkeit. Hier sei das Diuretikum "ein logischer Ansatz", so die Autoren.

Mehr zum Thema

Empfehlungen zur Ernährung

Hypertonie: DASH-Diät statt Salz und Kalorien

Das könnte Sie auch interessieren
Single Pill bessert Prognose bei Hypertonie

© [M] FotografiaBasica / Getty Images / iStock

Hypertonie-Therapie

Single Pill bessert Prognose bei Hypertonie

Kooperation | In Kooperation mit: APONTIS PHARMA
Polymedikation: Bei Patienten mit Hypertonie keine Seltenheit. Eine Single Pill hätte Vorteile.

© obs/dpa

START-Studie

Single Pill: Mehr Leitlinie in der Hypertonie wagen!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Mussten Ärzte seinerzeit auch neu dazulernen: Röntgen.

© Channel Partners / Zoonar / picture alliance

Ärzte und die digitale Medizin

Digitalisierung: „Wir müssen uns offener zeigen als Ärzteschaft“

Kopfschmerzen: Rund zehn Prozent der Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion entwickeln nach Abklingen der akuten Symptome einen Dauer-Kopfschmerz.

© ijeab / stock.adobe.com

Schmerzmediziner berichten

Dauer-Kopfschmerz nach COVID-19 nicht selten