Chirurgie

Dürfen Menschen mit Hirntumoren Nieren spenden?

BERLIN (nsi/ple). Bei Organspendern mit manchen ZNS-Tumoren wird das Risiko, bei einer Transplantation auch Krebszellen zu übertragen, als sehr hoch eingeschätzt. Bisher gibt es dazu aber nur wenig Daten, sagt Dr. Christian Morath von der Uni Heidelberg.

Veröffentlicht: 04.06.2007, 08:00 Uhr

In einer Studie mit sieben Spendern mit Medulloblastom wurde der Tumor auf drei Empfänger übertragen. Von 26 Spendern, bei denen erst nach der Nierenexplantation ein Glioblastom diagnostiziert wurde, wurde der Tumor in acht Organempfängern entdeckt. "Glioblastome, Medulloblastome und Astrozytome GradIII gelten als ZNS-Tumoren mit hohem Übertragungsrisiko", so Morath bei der 3. Jahrestagung der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Berlin. Bei Meningeomen und niedriggradigen Astrozytomen werde das Risiko eher als gering eingeschätzt.

Haben Patienten eine Niere von Spendern erhalten, bei denen später ein Hirntumor mit hohem Disseminationsrisiko bekannt wird, raten Transplantationsmediziner, die Niere wieder zu entfernen. Das Vorgehen nach versehentlicher Übertragung eines Tumors müsse aber für verschiedene Organe auch unterschiedlich diskutiert werden, so Morath. Für die Niere gebe es die Dialyse als Ersatzverfahren. Diese Situation sei nicht vergleichbar mit der nach einer Leber- oder Herztransplantation.

Die Schauspielerin, die am Freitagabend in der niederländischen "Großen Spendershow" als Nierenspenderin auftrat, sollte nach Angaben des Senders BNN eine Patientin mit "hochmalignem Gliom" verkörpern. Ein solcher Befund spreche nicht dagegen, dass eine Niere zu Lebzeiten gespendet werde, so BNN.

Lesen Sie dazu auch: EU will Kräfte bündeln, damit es mehr Spenderorgane gibt Unionspolitiker geht neue Wege bei Organmangel

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