Schmerzen

Durch präemptive Analgesie nach der Op weniger Schmerzen

Schmerzmedikamente vor der Operation sollen zu weniger Schmerzen nach dem Eingriff führen.

Veröffentlicht: 05.03.2010, 05:00 Uhr

BERLIN (djb). Obwohl unumstritten ist, dass eine optimierte Schmerztherapie die Ergebnisse chirurgischer Eingriffe deutlich bessern kann, entwickeln noch immer zu viele Patienten nach der Operation chronische Schmerzen. Das betonte Privatdozent Reiner Freynhagen aus Tutzing beim Schmerzkongress in Berlin. Das Konzept der "präemptiven Analgesie" und eine multimodale postoperative Schmerztherapie könnten zur Verbesserung der Lage beitragen.

Präemptive Schmerztherapie bedeutet, den Schmerz vor seiner Entstehung zu unterdrücken, statt erst zu behandeln, wenn sich eine zentrale Sensibilisierung etabliert hat. Schmerzmedikamente oder regionale Anästhesieverfahren werden vor Beginn des chirurgischen Eingriffs appliziert. Damit seien als Schmerzprophylaxe komplexe Sensibilisierungsprozesse auf der Ebene des Rückenmarks und die Entstehung eines spinalen Schmerzgedächtnisses zu verhindern. Die Folge: Nach der Op hat der Patient weniger Schmerzen, und der Schmerzmittelverbrauch ist geringer. Soweit die Hypothese.

Wie Freynhagen bei der von Pfizer unterstützten Veranstaltung berichtete, hat das Konzept der präemptiven Schmerztherapie zwar eine lange Geschichte, kontrollierte Studien liefern einer Metaanalyse zufolge jedoch kontroverse Ergebnisse (Anesthesia & Analgesia 100, 2005, 757). Bislang sei die präemptive Analgesie für die Praxis daher noch kein belegbares Konzept.

Nach tierexperimentellen Untersuchungen unterliegen Entstehung und Aufrechterhaltung postoperativer Akutschmerzen anderen pathophysiologischen Mechanismen als Entzündungsschmerz oder neuropathischer Schmerz. So kommt es während einer operativen Inzision zwar zu Sensibilisierungsprozessen im Rückenmark mit Ausbildung einer mechanischen Hyperalgesie, aber wider Erwarten entstehe dabei kein spinales Schmerzgedächtnis, sagte Freynhagen. Vielmehr scheine der afferente Input nach einer Inzision oder Op für die Entwicklung postoperativer Schmerzen wichtig zu sein.

Wesentlich sei dabei die Aktivierung und Sensibilisierung von Nozizeptoren. Offenbar ist weniger der Zeitpunkt als vielmehr eine effektive und ausreichend lange postoperative Schmerztherapie wichtig, um postoperativen Schmerz und Hyperalgesie zu vermeiden, so Freynhagen. Multimodale Therapien könnten den akuten postoperativen Schmerz und langfristige chronische postoperative Schmerzsyndrome reduzieren oder verhindern. Erste Studien mit Pregabalin (Lyrica®) zur präventiven Analgesie hätten vielversprechende Ergebnisse, sagte der Spezialist.

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