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Durchbruchschmerz - es gibt einiges zu tun

Mit dem heutigen "Aktionstag gegen den Tumorschmerz" soll auf die Therapiemöglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Dabei sind bei Krebskranken außer chronischen Tumorschmerzen auch Durchbruchschmerzen ein Problem, wie eine aktuelle Studie verdeutlicht.

Dr. Ulrike MarondeVon Dr. Ulrike Maronde Veröffentlicht:
Bei Durchbruchschmerz ist rasche Analgesie nötig.

Bei Durchbruchschmerz ist rasche Analgesie nötig.

© Fabrice M. / panthermedia.net

NEU-ISENBURG. Bei 80 Prozent der Krebspatienten mit Tumorschmerzen kommt es trotz Basistherapie mit langwirksamen Opioiden zu Durchbruchschmerzen (DBS). Dabei ist die DBS-Therapie noch nicht optimal, wie eine Befragung von 320 Betroffenen aus vier europäischen Staaten ergeben hat.

In die multizentrische Studie wurden jeweils 80 Patienten aus palliativmedizinischen Kliniken in Dänemark, Schweden, Großbritannien und Deutschland einbezogen (Eur J Pain 2011, online 20. Jan.). Die Patienten wurden von den Kliniken konsiliarisch oder primär verantwortlich betreut.

Anhand eines Fragebogens wurden sie nach den Charakteristika ihrer DBS, der Zufriedenheit mit den Therapiestrategien und nach ihren Erwartungen an eine optimale DBS-Therapie gefragt.

DBS-Charakteristika: 44 Prozent der Patienten hatten ereignisabhängige Schmerzen ("incident pain"), wie sie etwa durch Bewegung, Husten oder Niesen ausgelöst werden, und 39 Prozent hatten spontan eintretende DBS.

17 Prozent gaben eine Kombination beider Schmerztypen an. Im Median erlebten die Patienten drei DBS-Episoden pro Tag (zwei pro Woche bis 24 pro Tag). Diese dauerten ohne Therapie im Median 60 Minuten, wobei die Schmerzen ihre maximale Intensität im Median innerhalb von 15 Minuten erreichten. Die Schmerzstärke wurde von 97 Prozent der Patienten als mittelstark (bei 37 Prozent) und stark (bei 60 Prozent) eingestuft.

Die meisten Patienten (90 Prozent) fühlten sich infolge ihrer Schmerzen beeinträchtigt in Bezug auf allgemeine Aktivitäten, Gehvermögen, Stimmung, Arbeit und Haushalt, soziale Kontakte, Schlaf und Lebensfreude.

Therapie: Nach der Therapiewirksamkeit und -zufriedenheit befragt, gaben 76 Prozent aller Patienten an, Maßnahmen identifiziert zu haben, die ihre DBS in der Regel besserten. 12 Prozent hatten Maßnahmen gefunden, die die DBS manchmal besserten.

Immerhin 12 Prozent hatten keine wirksamen Maßnahmen identifizieren können. Die erfolgreichen Maßnahmen gegen DBS umfassten zu 41 Prozent medikamentöse Therapien und zu 30 Prozent nicht medikamentöse Verfahren wie Wärmeanwendung, Ruhe oder Schlaf, Haltungs- und  Positionsänderung oder Bewegung. 16 Prozent setzten eine Kombination aus beiden Therapiestrategien ein.

Im Vergleich zur Gesamtgruppe ergaben sich hier Unterschiede für die Teilnehmer aus Deutschland, wie eine Subgruppenanalyse ergeben hat (Schmerz 2010; 24 (6): 605).

Bei 64 Prozent der Patienten kam es zu einer wirksamen DBS-Linderung - zu 26 Prozent durch medikamentöse Maßnahmen und zu 73 Prozent mit Hilfe von nicht-medikamentösen Verfahren. Bei 14 Prozent waren die eingesetzten Maßnahmen nur manchmal wirksam und bei 21 Prozent nicht wirksam.

Die Analyse der Daten zur Pharmakotherapie ergab, dass alle Patienten aus den vier Staaten Opioide als Akuttherapie bei DBS nutzten, 28 Prozent wandten zusätzlich NichtOpioidanalgetika an und die Hälfte zusätzlich nicht-medikamentöse Verfahren.

Fast alle Patienten, die als Basistherapie gegen die chronischen Tumorschmerzen mit Morphin oder Oxycodon behandelt wurden, erhielten bei DBS jeweils den gleichen Wirkstoff oral in einer Dosierung von im Schnitt einem Sechstel (Morphin) oder einem Achtel (Oxycodon) der Tagesdosis. Nur bei 29 Prozent der Patienten wurde transmukosal wirksames Fentanyl eingesetzt.

Die schmerzlindernde Wirkung der Akuttherapie war im Median nach 20 Minuten mit oralem Morphin spürbar, mit oralem Oxycodon waren es 30 Minuten und mit transmukosalem Fentanyl 10 Minuten. Bei 55 Prozent der Patienten kam es infolge der DBS-Medikation zu unerwünschten Wirkungen - vor allem zu opioidtypischen wie Sedierung oder Benommenheit.

Wie bewerteten die Patienten die Therapie? 240 Patienten gaben an, mit ihrer DBS-Medikation zufrieden und 71 Patienten damit unzufrieden zu sein. Nach ihren Wünschen für eine neue Akuttherapie gegen DBS gefragt, war den Patienten - wie von den Studienautoren erwartet - eine vollständige und schnelle Schmerzlinderung mit möglichst wenigen Nebenwirkungen am wichtigsten.

Die Ergebnisse dieser multizentrischen Untersuchung verdeutlichen den Leidensdruck der Patienten und die Notwendigkeit, die Therapie zu optimieren. Auffallend ist, dass zur Kupierung der DBS wenig Gebrauch von Fentanyl gemacht wurde, obwohl bereits bukkale oder oral transmukosale Zubereitungen und in klinischen Studien die nasale Applikation der Substanz zur Verfügung stand, wie die Autoren der deutschen Subgruppenanalyse konstatieren.

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