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Vernichtungskopfschmerz

Ein Duschstrahl wie ein Donnerschlag

Jedes Mal, wenn ein junger Mann aus Subsahara-Afrika unter die Dusche steigt, erlebt er extreme Kopfschmerzen. Die Ärzte lösen das Rätsel – und sind überrascht.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Eine heiße Dusche brachte den Kopf des Patienten fast zum Platzen.

Eine heiße Dusche brachte den Kopf des Patienten fast zum Platzen.

© Carmen Steiner/ Shotshop.com

ROUEN. Die heiße Dusche brachte den Kopf des 36-jährigen Mannes aus Subsahara-Afrika fast zum Platzen. Noch nie zuvor hatte er einen solch vernichtenden Schmerz erlebt: explosiv, pulsierend, nahezu von dem Moment an, als der Wasserstrahl seine Kopfhaut traf. Benommen schleppte sich der Mann aus der Dusche. Der extreme Schmerz hielt noch etwa drei Stunden an, danach begann er langsam abzuflauen.

Am nächsten Tag wieder das Gleiche: Innerhalb weniger Sekunden nach dem Aufdrehen des heißen Wassers begannen die Schmerzen von Neuem, wie beim ersten Mal auf der rechten Kopfseite. Offenbar brachte der Mann die Symptome nicht ursächlich mit dem Duschen in Verbindung, denn das Spiel wiederholte sich noch drei weitere Male, bis er schließlich den Arzt aufsuchte.

Weder CT noch MRT waren auffällig

In der neurologischen Praxis stand man zunächst vor einem Rätsel: Weder die neurologische Untersuchung noch CT- und auch nicht MRT-Aufnahmen vom Hirn oder von den Hirngefäßen lieferten irgendeine Erklärung.

Vor allem, so das Ärzteteam um Lou Grangeon von der Universitätsklinik in Rouen, fanden sich keinerlei Hinweise auf eine subarachnoidale Blutung oder ein rupturiertes Aneurysma. Ein transkranieller Ultraschall zeigte normale Flussgeschwindigkeiten und einen unauffälligen Pulsatilitätsindex (Headache 2016; online 4. August).

Initial hatten die Ärzte es mit einer Therapie mit dem Kalziumkanalblocker Nimodipin versucht, aber nachdem klar geworden war, dass es sich nicht um eine Subarachnoidalblutung handelte, wurde diese Substanz rasch abgesetzt. Das Phänomen war unter dieser Medikation bestehen geblieben.

Durch die Anamnese und eine Literaturrecherche hatten die Forscher mittlerweile herausgefunden, dass die Dusche den Kopfschmerz hervorrief, es sich also um einen Vernichtungskopfschmerz vom Typ "bath related thunderclap headache" handeln musste.

Kopfschmerz ohne Östrogen-Bezug

In der Literatur ist dieser Typ, der von manchen Autoren der Kategorie "reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom" zugeordnet wird, bislang nur bei asiatischen Frauen mittleren Alters beschrieben.

Damit fällt der Patient gleich in dreierlei Hinsicht aus der Reihe: Er ist männlich, er ist jung, und er ist Afrikaner. Die Hypothese, dass Östrogen beim "bath related thunderclap headache" von Bedeutung sein könnte, wird damit entkräftet, ebenso die Annahme, dass das seltene Krankheitsbild nur Asiatinnen betrifft.

Beim Rätseln um den Pathomechanismus hilft der Fall allerdings nicht wesentlich weiter. Möglicherweise, so die Forschergruppe um Grangeon, träfen zwei Mechanismen zusammen: Die Stimulation von Mechanorezeptoren durch den Hautkontakt mit dem Wasser und die gleichzeitige Stimulation von Temperaturrezeptoren lösen möglicherweise einen autonomen neurovaskulären Reflex aus, der einen Gefäßspasmus bewirkt.

Amitriptylin brachte Linderung

Nach dem erfolglosen Versuch mit Nimodipin probierten die Ärzte es mit Amitriptylin. Nach zwei 20-mg-Dosen (eine pro Tag) war der Patient sein Problem los.

Das trizyklische Antidepressivum, das oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird, wurde noch weitere acht Tage lang gegeben und dann abgesetzt. Duschen konnte der Mann in dieser Zeit und auch danach wieder vollkommen beschwerdefrei. Auch bei einer Konsultation ein halbes Jahr später konnte der Patient berichten, dass der vernichtende Kopfschmerz nicht wieder aufgetreten war.

Die Lehre aus dem Fall laut Grangeon und Kollegen: An ein "bath related thunderclap headache" ist nicht nur bei Frauen asiatischer Herkunft zu denken!

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