"Bendopnea"

Ein neues Symptom bei Herzinsuffizienz

Viele Patienten mit Herzinsuffizienz ringen um Luft, wenn sie sich nach vorne beugen. Dieses bislang unbekannte Symptom haben US-Mediziner jetzt "Bendopnea" getauft. Damit könnte sich nach ihrer Ansicht in Zukunft der hämodynamische Status der Patienten bereits nicht-invasiv besser beurteilen lassen.

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Mit Atemproblemen nach vorne gebeugt: Bei Herzinsuffizienz ein prognostisch ungünstiges Zeichen.

Mit Atemproblemen nach vorne gebeugt: Bei Herzinsuffizienz ein prognostisch ungünstiges Zeichen.

© Monkey Business / fotolia.com

DALLAS. Kurzatmigkeit unter Belastung (Dyspnoe) oder im Liegen (Orthopnoe) ist ein typisches Symptom der Herzinsuffizienz. Einer Gruppe von US-Kardiologen um Dr. Mark Drazner aus Dallas ist bei ihren Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz noch eine weitere Form der Luftnot aufgefallen.

Von diesen Patienten klagten nämlich viele darüber, dass sie beim Vorbeugen des Körpers - etwa beim Anziehen von Socken oder Schuhen - rasch Atemprobleme bekämen (JACC Heart Fail 2014; 2(1): 24-31).

Drazner und seine Kollegen sind dem Phänomen der "Bendopnea" (to bend = beugen, bücken) nun in einer Studie genauer auf den Grund gegangen. Teilnehmer waren 102 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (Auswurffraktion kleiner als 40 Prozent), die zur Rechtsherzkatheter-Untersuchung überwiesen worden waren.

Eine "Bendopnea" wurde diagnostiziert, wenn die Patienten nach Aufforderung, sich nach vorne zu beugen, innerhalb von 30 Sekunden Kurzatmigkeit entwickelten. Bei 29 Patienten (28 Prozent) war das der Fall - und zwar reproduzierbar bei wiederholten Tests. Die Atemprobleme setzten bei ihnen im Median nach acht Sekunden ein.

Bei der hämodynamischen Untersuchung mittels Rechtsherzkatheter zeigte sich, dass Patienten mit "Bendopnea" im Schnitt einen signifikant höheren rechtsatrialen Druck und einen signifikant höheren pulmonalkapillären Verschlussdruck (Wedge-Druck) aufwiesen als Patienten ohne dieses Symptom. Der Herzindex (Herzzeitvolumen in Relation zur Körperoberfläche) war in beiden Gruppen gleich.

Wie erklärt sich das Symptom?

Bei Körperbeugung nach vorne stellten die Untersucher in beiden Gruppen einen in etwa vergleichbaren weiteren Anstieg von rechtsatrialem Druck und pulmonalkapillärem Verschlussdruck fest. Der Herzindex veränderte sich nicht.

Ein hämodynamisches Profil, das durch erhöhten Wedge-Druck und niedrigen Herzindex charakterisiert war, wurde bei Patienten mit "Bendopnea" signifikant häufiger beobachtete (55 versus 16 Prozent). Diese Patienten litten auch häufiger unter Dyspnoe bei Belastung und unter Orthopnoe - was vermuten lässt, dass "Bendopnea" Ausdruck einer graduell stärkeren Volumenbelastung ist.

Drazner und seine Kollegen erklären sich dieses Symptom so: Beim Vorbeugen des Körpers kommt es zu einem intrathorakalen Druckanstieg, der zu einem weiteren Anstieg der rechts- und linksventrikulären Füllungsdrücke führt.

Patienten mit "Bendopnea", bei denen die Ausgangsfüllungsdrücke bereits erhöht sind, erreichen dadurch früher die Druckschwelle, die nötig ist, um Kurzatmigkeit zu induzieren - vor allem bei niedrigem Herzindex.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Beurteilung der Hämodynamik bei der klinischen Untersuchung von Patienten mit Herzinsuffizienz wichtig sei. In Studien habe sich gezeigt, dass Zeichen eine Volumenbelastung wie erhöhter Jugularvenendruck mit einer ungünstigen Prognose einhergehen. Die Kenntnis der "Bendopnea" als Symptom könne bei der nicht-invasiven Beurteilung der Hämodynamik hilfreich sein. (ob)

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