HIV-Impfstoffe

Eine Entwicklung mit Höhen und Tiefen

Seit der Isolierung des HIVirus im Jahr 1983 läuft die Forschung zur Entwicklung eines Impfstoffes auf Hochtouren - bis heute aber ohne durchschlagenden Erfolg.

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NEU-ISENBURG. In den 1980er-Jahren wurde angekündigt, in wenigen Jahren stehe ein Impfstoff gegen HIV zur Verfügung. Seitdem erleben wir ein Auf und Ab an Erfolgsmeldungen und Studienabbrüchen. Der Hauptgrund für die Probleme bei der Impfstoffentwicklung gegen HIV liegt in der genetischen Wandelbarkeit des Virus.

Die Mutationsraten übersteigen die des Influenzavirus bei Weitem. Sie sind so hoch, dass sich fast alle Nachkommenviren voneinander unterscheiden. Zudem lassen sich innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Stämme isolieren.

Der ideale Impfstoff sollte also eine möglichst breite zellvermittelte und humorale Immunantwort induzieren.

In der Impfstoffentwicklung werden vor allem drei Strategien verfolgt: Virus-DNA/-RNA wird zum Beispiel durch Injektion direkt verabreicht. Der Geimpfte produziert das Immunogen entsprechend der genetischen Information, was eine Immunantwort auslöst.

Eine Variante dieses Verfahrens ist der Gentransfer mittels viraler Vektoren. Und in Prime-Boost-Verfahren werden verschiedene Strategien nacheinander angewendet.

In den ersten beiden großen Phase-III-Studien (AIDSVAX), die 1998 und 1999 begannen, setzte man auf die Bildung neutralisierender Antikörper. In VAX003 und VAX004 wurden verschiedene Subtypmischungen von rekombinanten gp120-Oberflächenproteinen verabreicht.

Doch trotz einer Antikörperinduktion gegen gp 120 ergaben sich keine Unterschiede zwischen Geimpften und Kontrollen, weder bei der Neuinfektionsrate noch bei Viruslast oder Krankheitsverlauf.

Heute weiß man, dass nur etwa jeder Vierte in der Lage ist, neutralisierende Antikörper zu entwickeln, die mehrere HIV-1-Varianten abdecken. Lediglich einige wenige Langzeitüberlebende bilden Antikörper, die bis zu 90 Prozent der HIV-1Varianten neutralisieren.

In der nächsten großen Wirksamkeitsstudie (STEP, Phambili-Studie, ab 2005) setzte man adenovirale Vektoren (Adenovirus 5, Ad5) als Genfähren ein, um die HIV-Gene gag, pol und nef einzuschleusen. Ziel war die Aktivierung HIV-spezifischer T-Zellen.

Die Studie wurde 2007 abgebrochen, weil sich keine Wirksamkeit zeigte und der Verdacht aufkam, die Impfung könnte das Infektionsrisiko für HIV bei Ad5-Seropositiven erhöhen.

Eine Variante der STEP-Studie stellt die 2009 begonnene HVTN 505 dar, in der ein Prime-Boost-Verfahren getestet wurde. Über 2200 Ad5-negative US-Amerikaner wurden dreimal mit einer DNA-Vakzine (gag, pol, nev) geimpft und dann mit einem rekombinanten Ad5 (gag, pol, env) geboostert. Da die Impfung erfolglos war, wurde die Studie im Mai 2013 gestoppt.

In der RV144-Studie (Thai-Trial, 2003-2009) zeigten sich kleine Erfolge mit einem Kombinationswirkstoff. Die Probanden erhielten vier Impfungen mit einem rekombinanten Geflügelpockenvirus (ALVAC) als Träger der Gene gag und gp41.

Der Boost erfolgte mit AIDSVAC B/E gp120. Im Vergleich zur Kontrollgruppe lag bei den Geimpften die Zahl der Neuinfektionen signifikant um 31 Prozent niedriger.

Noch im Tiermodell steckt eine Forschung, deren Ergebnisse im September für Aufsehen sorgten (Nature 2013; 502: 100-104). Mit einem Zytomegalievirus als Träger verschiedener SIV-Gene konnte bei Affen eine starke T-Zell-Antwort ausgelöst werden.

Sie schützte die meisten Tiere über mehr als drei Jahre vor einer SIV-Infektion. Nächster Schritt ist die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs. (St)

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