Einem Risikofaktor für Schäden an gespendeten Organen auf der Spur

NEU-ISENBURG (ple). Mit der Hälfte des Galenus-von-Pergamon-Preises 2005 der Kategorie B haben die Mitglieder der unabhängigen Jury die Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Ingeborg A. Hauser von der Medizinischen Klinik IV der Universität Frankfurt am Main geehrt. Die Gruppe entdeckte ein Transport-Protein für Ciclosporin.

Veröffentlicht:

Ingeborg Hauser und ihre Kollegen werden für ihre Forschung zu einem Eiweißmolekül in der Zellmembran ausgezeichnet, das als Transportmolekül funktioniert und Substanzen durch die Membran leitet. In der jetzt prämierten Arbeit haben die Wissenschaftler jenes Protein erforscht, das Substanzen wie das Immunsuppressivum Ciclosporin aus Zellen pumpt.

Nach Medikamentenwechsel erholten sich die Nieren

Die Forscher aus Frankfurt machten immunhistochemische Untersuchungen zur Synthese dieses Transportmoleküls bei Patienten nach einer Nierentransplantation. Bei manchen Patienten trat eine Nierenschädigung nach einer Ciclosporinbehandlung auf. Die Wissenschaftler entdeckten, daß das Transportmolekül maßgeblich an der Schädigung des gespendeten Organs beteiligt ist. Sie spürten zudem Mutationen in dem Gen für das Transportmolekül auf, die Ursache für eine verminderte Synthese des Transporters sind.

Die Forscher prüften darüber hinaus in einer Fall-Kontrollstudie, ob die verminderte Synthese des Transportmoleküls ein Risikofaktor für eine Schädigung der gespendeten Nieren durch Ciclosporin ist. In der Studie hatten 18 von 97 Patienten, die eine fremde Niere bekommen hatten und mit dem Immunsuppressivum behandelt wurden, Nierenschäden aufgrund der Immunsuppression. Die Nierenfunktion wurde aber bei allen 18 Patienten wieder hergestellt, als die Ärzte die immunsuppressive Behandlung auf ein Medikament umstellten, das kein Calcineurin-Hemmstoff wie Ciclosporin war.

Mutationen in den Zellen von gespendeten Organen

Mit molekulargenetischen Analysen entdeckten die Forscher eine Genmutation in den Zellen des gespendeten Organs, die mit einem erhöhten Risiko für dessen Schädigung durch Ciclosporin assoziiert ist. Künftig könnten Patienten, bei denen aufgrund des veränderten Transportmoleküls eine solche Schädigung unter Ciclosporin zu erwarten ist, von vornherein mit einem anderen Mittel behandelt und damit vor einer Nierenschädigung bewahrt werden.

"Jetzt kann ein Test entwickelt werden, mit dem vor Beginn der immunsuppressiven Behandlung die Expression des Transporterprotein-Gens bestimmt werden kann", sagt der Kardiologe Professor Erland Erdmann aus Köln, Präsident der Galenus-Preis-Jury.

Die Frankfurter Preisträger um Ingeborg Hauser plädieren entsprechend dafür, bei der Aufklärung genetischer Faktoren, die zur Dysfunktion eines gespendeten Organs beitragen, künftig den Genotyp des Organspenders besonders zu berücksichtigen. (ple)

Lesen Sie zum anderen Preisträger in der Kategorie B: Eine neue Erklärung für die Entstehung von Krankheitsprozessen

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Wohl mehr Schaden als Nutzen

Kopfverband nach Mittelohr-Operation: Braucht es das wirklich?

Kasuistik

Rezidivierende Tumorbildung im linken Unterkiefer

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen in Iran via Telemedizin

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?