Praxis- und Klinikakteure ziehen auf der DMEA Bilanz
Ein Jahr elektronische Patientenakte: Auf dem Weg zum Gamechanger und Super-Werkzeug
Ein Jahr nach dem Start des Rollouts der ePA ziehen die Digitalaffinen auf der E-Health-Messe DMEA eine überwiegend positive Zwischenbilanz. Es bleibt die Mahnung, bei der Weiterentwicklung Tempo zu machen.
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Hausärztin Annette Rennert (Mitte), Lena Dimde von der gematik (links) und Gudrun Liß von Asklepios (2.v.r.) gehörten zu den Panelteilnehmern, die auf der DMEA ihre Bilanz zur ePA zogen.
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Berlin. Hausärztin Annette Rennert aus Dortmund ist keine Gegnerin der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie glaubt daran, dass die Akte sich zu einem Super-Werkzeug für die Praxen entwickeln kann – wenn der bisherige Rohbau irgendwann als fertiges Haus dastehen wird.
Die Stimmung in den Praxen sei im Laufe des vergangenen Jahres besser geworden, findet Rennert, die ePA werde nicht mehr als Bedrohung empfunden. Sie selbst freue sich über jeden Kollegen oder jede Kollegin, der oder die etwas in die ePA hochlade.
Grundsätzlich „aufregend“ findet sie die hinterlegten Metadaten, auch wenn hier momentan noch Chaos herrsche. Die schon vorhandene Medikationsliste bezeichnete Annette Rennert in einer Diskussionsrunde auf der DMEA als „Gamechanger“.
Chance, Prozesse zu ändern
Für die Dortmunder Allgemeinärztin ist die ePA sowohl ein Versorgungstool als auch eine Transformationsplattform. Denn durch die Akte prüfe sie ständig auch, wie sie in ihrer Gemeinschaftspraxis effizienter werden könne und welche Prozesse möglicherweise geändert werden müssen. „Die ePA ist eine Chance, Dinge zu ändern“, so Rennert. Sie sei eine Plattform für einen besseren Austausch.
Ein Jahr ePA: Annette Rennerts Bilanz
Auf der DMEA hat die Ärzte Zeitung Hausärztin Annette Rennert gefragt, wie ihr Fazit nach gut einem Jahr elektronische Patientenakte ausfällt.
Was macht nach einem Jahr Spaß?
Die ePA als Versorgungsplattform im Praxisalltag nutzbar machen zu können: Viele Kolleginnen und Kollegen können gleichzeitig auf Medikationslisten und Befunde zugreifen. Das stärkt die gemeinsame Patientenversorgung und macht Mut für die nächsten Schritte.
Was nervt immer noch?
Uneinheitlich und unklar benannte PDF-Dokumente sowie zu wenig strukturierte, durchsuchbare Daten.
Lehren / Veränderungen nach einem Jahr?
Wir passen unsere Prozesse, den Umgang mit Daten und unsere Workflows konsequent an. Schritt für Schritt lernen wir, die ePA als verlässliches Versorgungswerkzeug für die Zukunft zu etablieren.
Das sah auf der DMEA auch Lena Dimde so, Projektleiterin der ePA bei der gematik. Sie verwies auf die Einbettung des elektronischen Medikationsplans in der ePA, die in diesem Jahr erfolgen soll. Sie habe Hoffnung, dass der Austausch zwischen den Sektoren durch dieses Tool vorangetrieben werde und alle Akteure „gemeinsam am Patienten arbeiten“.
Noch sei die ePA nur ein „schöner Container“ für Dokumente, sagte Grudrun Liß vom Klinikkonzern Asklepios. Denn noch sei für Ärztinnen und Ärzte nicht erkennbar, welche Dokumente behandlungsrelevant seien. Man müsse bald von einer dokumenten- zu einer datenbasierten ePA kommen, stimmte Lena Dimde zu.
Kliniken stellen immer mehr Dokumente ein
Nötig sei aber auch eine „Synchronizität“, wie die ePA in den drei Sektoren ambulante und stationäre Versorgung sowie in der Pflege genutzt werde. Krankenhäuser und Pflege hinkten hinter den Praxen her. Doch der stationäre Sektor hole inzwischen „total“ auf, sagte Dimde.
90.000 Dokumente pro Woche würden von den Kliniken inzwischen schon eingestellt, vor ein paar Monaten seien es nur 2.000 gewesen. Bei insgesamt 100 Milllionen Dokumenten in den ePA sei das zwar noch minimal, aber der Aufwuchs sei da. Es werde nur noch ein paar Monate dauern, bis sinnvoll nutzbare Dokumente in den Akten vorhanden seien. (juk)











