"Einzigartiges Erlebnis" - Wuppertaler Arzt lief 240 Kilometer durch die Wüste

Von Friedemann Bräuer Veröffentlicht:

"Das ist der härteste Abenteuerlauf der Welt, aber ein einzigartiges Erlebnis", schwärmt Dr. Alfred Witting, Ärztlicher Direktor des Zentrums für ambulante Medizin in Wuppertal. Er war einer von 700 Athleten aus 36 Ländern, die sich beim "21. Marathon des Sables" in sechs Etappen 240 Kilometer durch die marokkanische Sahara gequält haben.

Wenn der 50jährige von dieser Tortur spricht, dann leuchten seine Augen. Als hätte er nicht mit 15 Kilogramm Gepäck im Rucksack bei 70 Grad Hitze Dünentäler durchquert, den täglich zur Mittagszeit aufkommenden Sandstürmen getrotzt, endlose Geröllpisten hinter sich gelassen und die Nächte auf Pritschen in offenen Berber-Zelten zugebracht.

Dabei wird gerade der 21. Marathon des Sables als der Lauf in die Geschichte eingehen, bei dem jeder fünfte Teilnehmer aufgeben mußte. Kreislaufbeschwerden, Erschöpfung und Verletzungen waren Ursache dafür, daß die zu jeder Ausrüstung gehörenden Notraketen so oft gezündet wurden wie nie zuvor.

Das bedeutete pausenlosen Einsatz für die "Doc-Trotters", ein Ärzte-Team von ausgesuchten Spezialisten, das die Läufer mit Jeeps an der Wettkampfstrecke begleitet, versorgt, eventuell aus dem Rennen nimmt und einen Athleten sogar in die Uniklinik nach Bordeaux fliegen lassen mußte.

"Das lag daran, daß die Luftfeuchtigkeit nicht wie sonst nur sechs, sondern 30 Prozent betragen hat. Dadurch schwitzte man mehr, und der Flüssigkeitsverlust war entsprechend höher", so Witting, der die Hilfe seiner Kollegen zum Glück nicht in Anspruch nehmen mußte.

Kein Zufall: Der 50jährige hatte sich akribisch vorbereitet und sich nicht allein auf die konditionellen Voraussetzungen für die mörderische Strapaze beschränkt. Erfahrungen hat Witting zudem genug gesammelt: etwa beim 100-Kilometer-Rennsteig-Lauf und beim 158 Kilometer langen Ultratrail du Montblanc.

"Ich habe mich an den Beduinen orientiert," erklärt der Arzt, der statt einer Baseball-Kappe einen Turban trug, den er immer wieder mit ein paar Tropfen aus der neun Liter betragenden täglichen Wasser-Ration beträufelte. "So hatte ich ein Kühl-Aggregat auf dem Kopf. Und weil kein Wüstenbewohner kurze Ärmeln trägt, habe ich auch immer langärmelige Hemden angehabt. Wenn man die mit etwas Wasser benetzt, dann kühlt das auch angenehm."

Und da der hellhäutige Wuppertaler sich zudem mit Lichtschutzfaktor 60 vor der Sonne schützte und spezielle Gamaschen anfertigen ließ, die, über die Laufschuhe gezogen, keinen Sand in die Schuhe eindringen ließen, gehörte er zu den gut 500 "Finishern", die am Ende der Woche die Medaille für die erfolgreiche Teilnahme entgegennehmen konnten.

"Wer bei diesem Lauf versucht, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, hat schon verloren," sagt Witting. Marschierend und trabend haben er und sein österreichischer Begleiter Helmut die Etappen, von denen manche über 100 Meter hohe Dünen führten, bewältigt.

Und ausgerechnet auf der Königs-Etappe über 72 Kilometer - angesetzt dafür waren 30 Stunden - lief das Duo zur Hochform auf. "Bei fünf Grad in der kühlen Nacht sind wir geradezu geflogen," erzählt Witting lachend, und er berichtet stolz, daß er und sein Begleiter schon nach 15 Stunden am Ziel waren.

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