Neuro-psychiatrische Krankheiten

Empirische Antibiose rettet Leben

BERLIN (gvg). Eine sofortige empirische Antibiotikatherapie kann bei Verdacht auf bakterielle Meningitis Leben retten. Wie relevant ein rascher Therapiebeginn ist, belegen Untersuchungen, über die auf dem Deutschen Neurologen-Kongress in Berlin berichtet wurde.

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"Wenn bei Patienten mit bakterieller Meningitis nach der Klinikaufnahme mehr als drei Stunden bis zum Beginn einer empirischen Antibiotikatherapie verstreichen, steigt die Mortalität rasant an", sagte Dr. Hans-Walter Pfister vom Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilian-Universität München. Das habe eine prospektive Studie mit 156 Patienten mit Pneumokokken-Meningitis ergeben.

"Schnelligkeit ist der alles entscheidende Faktor"

51 dieser Patienten starben an der Erkrankung. Bei drei Viertel der Gestorbenen war die Antibiotika-Therapie erst später als drei Stunden nach Aufnahme in die Klinik begonnen worden. Bei jenen 105 Patienten, die überlebten, war die Antibiose dagegen nur bei jedem dritten verspätet begonnen worden.

Einen weiteren Beleg für die Bedeutung eines frühen Therapiebeginns liefert eine retrospektive Studie, in der der Krankheitsverlauf von 109 Patienten mit bakterieller Meningitis ausgewertet wurde. Für jene Patienten, bei denen erst nach sechs Stunden mit einer Antibiose begonnen wurde, ergab sich eine achtfach erhöhte Mortalitätsrate. "Schnelligkeit ist der alles entscheidende Faktor bei diesen Patienten", betonte Pfister.

Für die empirische Antibiotikatherapie bei Verdacht auf bakterielle Meningitis wird in den Leitlinien eine Zweierkombination aus Cephalosporin und Ampicillin empfohlen nach Abnahme von Blutkulturen. "Schwierig wird es, wenn sich im Verlauf heraus stellt, dass Problemkeime vorliegen", so Pfister. Bewährt habe sich in dieser Situation das neue Antibiotikum Linezolid, das ähnlich wie Vancomycin ausschließlich im grampositiven Bereich wirkt.

Linezolid ist ein Reserve-Antibiotikum

"Die Substanz hilft unter anderem bei penicillinresistenten Pneumokokken, vancomycinresistenten Enterokokken und MRSA", berichtete Pfister in Berlin. Er betonte aber, dass das Präparat ein Reserve-Antibiotikum bleiben sollte, das dann angewandt wird, wenn Vancomycin nicht wirkt oder wegen Nierenschäden nicht eingesetzt werden kann.

"Zu den Vorteilen der Substanz zählt, dass sie nicht nephrotoxisch und zu siebzig Prozent liquorgängig ist", betonte Pfister. Sie kann allerdings zu Anämie und Thrombopenie führen und verursacht bei einigen Patienten bei längerer Anwendung eine schmerzhafte Polyneuropathie. "Bei Patienten mit einer Meningitis ist das aber nicht so relevant, denn da reichen in der Regel zwei Wochen Behandlung", so Pfister.

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: www.dgn.org.

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