Blasenkrebs

Erhöht transurethrale Resektion das Risiko für Metastasen?

Bei der transurethralen Resektion von Blasentumoren (TURBT) gelangen vermehrt Krebszellen in den venösen Blutkreislauf. Diese könnten das Metastasierungsrisiko erhöhen, diskutieren schwedische Forscher aufgrund neuer Studienergebnisse.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 14.08.2014, 06:52 Uhr
Erhöht transurethrale Resektion das Risiko für Metastasen?

Blasentumor am Harnblasenboden. Ist bei Blasen-Ca eine TURBT geplant, raten Forscher, den Blasendruck unter Op nicht groß zu steigern.

© Prof. H. S. Füeßl, München

MALMÖ/SCHWEDEN. Blasenkrebs hat noch immer eine recht schlechte Prognose: Auch nach einer radikalen Zystektomie überleben nur etwa 60 Prozent der Patienten mit vermutetem muskelinvasivem Tumor die ersten fünf Jahre.

Oft kommt es schon nach ein bis zwei Jahren zu Rezidiven, berichten Onkologen um Helgi Engilbertsson von der Universitätsklinik in Malmö.

Bei solchen Patienten finden sich oft Metastasen in der Lunge, Leber und den Knochen. Offenbar haben die Patienten zum Zeitpunkt der Operation bereits Mikrometastasen gestreut, die für eine schnelle Rückkehr des Tumors sorgen.

Die schwedischen Wissenschaftler haben nun den Verdacht, dass die seit Jahren bewährte transurethrale Resektion (TURBT) mit ein Grund für die seit Dekaden unverändert schlechte Prognose der Blasenkrebs-Patienten ist. So wird bei der Prozedur die Blase unter erhöhten Druck gesetzt, um die Tumorfragmente besser zu entfernen.

Da der Druck über dem in den venösen Gefäßen liegt, könnte es zum Übertritt von Tumorzellen in den Blutkreislauf kommen. Die TURBT würde dann womöglich die Dissemination von Mikrometastasen begünstigen.

Daten von 16 Patienten analysiert

Um ihre Hypothese zu testen, haben die Forscher nun 16 Patienten mit Verdacht auf einen muskelinvasiven Blasentumor einer TURBT unterzogen. Unmittelbar vor dem Eingriff hatten die Chirurgen den Patienten einen Venenkatheter gesetzt, um vor und während der Operation Blutproben aus der Vena cava inferior zu entnehmen.

Die Proben wurden anschließend auf zirkulierende Tumorzellen untersucht. Zusätzlich entnahmen die Forscher auch Blut aus peripheren Venen (The Journal of Urology 2014; online 1. Juli).

Bei zehn Patienten konnten die Pathologen nach dem Eingriff einen muskelinvasiven Tumor nachweisen, bei sechs war er nicht invasiv.

Wie sich herausstellte, ließen sich bei neun Patienten zu irgendeinem Zeitpunkt Tumorzellen im Blut nachweisen, acht davon hatten einen muskelinvasiven Tumor. Dagegen präsentierten von den sieben Patienten ohne Befund bei der Blutanalyse fünf einen nichtinvasiven Tumor. Der Detrusorbefall scheint die Disseminationsgefahr also tatsächlich zu erhöhen.

Mehr Krebszellen im venösen Blut

Das trifft offenbar aber auch für die TURBT selbst zu: Bei sieben Proben entdeckten die Forscher intraoperativ Krebszellen im venösen Blut, bei sechs davon war ihre Zahl deutlich höher als bei der präoperativen Analyse: Wurden bei den Patienten mit präoperativen Befund im Schnitt 5,6 Zellen in der Vena cava entdeckt, so waren es bei denen mit intraoperativem Befall 15,3 Zellen - also fast dreimal mehr.

Bei drei Patienten fanden die Ärzte sogar 28 Zellen intraoperativ. Deutlich weniger Krebszellen ließen sich in den peripheren Gefäßen nachweisen.

Auch wenn man die Ergebnisse aufgrund der kleinen Patientenzahl mit Vorsicht genießen sollte, so sehen die Wissenschaftler um Engilbertsson ihre Hypothese bestätigt: Die TURBT begünstigt die Streuung von Tumorzellen. Ob diese artifizielle Streuung dann tatsächlich auch zu einem höheren Rezidivrisiko und einer schlechteren Prognose führe, sei aber unklar.

Um ein potenziell erhöhtes Metastasenrisiko durch den Eingriff auszuschließen, raten die Forscher aber, den Blasendruck bei der Operation besser zu kontrollieren und nicht groß zu steigern.

Zudem sollte die TURBT bei Patienten mit starkem Verdacht auf einen Detrusorbefall nur zur Probeentnahme und nicht zur kompletten Tumorresektion angewandt werden - solchen Patienten wird in der Regel ohnehin eine Zystektomie empfohlen. Auch werden dringend neue Methoden zur Tumorresektion und Analyse gefordert.

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