Direkt zum Inhaltsbereich

Nebenwirkung

Erst Hörsturz, dann Hyperglykämie

Schon eine Kurzzeitbehandlung mit systemischen Glukokortikoiden, wie sie beim Hörsturz üblich ist, führt bei einem Großteil der Patienten zu Hyperglykämien.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Hörsturz - er ist eine häufige Indikation für die Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden.

Hörsturz - er ist eine häufige Indikation für die Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden.

© photos.com

REGENSBURG. Eine längerfristige Therapie mit systemischen Glukokortikoiden ist die häufigste Ursache für einen medikamentös induzierten Diabetes.

Der Grund dafür: Glukokortikoide drosseln die Insulinproduktion und erhöhen gleichzeitig die Insulinresistenz. Wie sich dies bei einer Kurzzeittherapie auswirkt, haben nun Dr. Christian Rohrmeier und seine Kollegen von der Universitätsklinik Regensburg untersucht.

Für ihre retrospektive Studie werteten sie die Daten von 179 Patienten aus, die in der Klinik für HNO-Heilkunde, der Klinik für Dermatologie oder der Augenklinik behandelt worden waren.

Häufigste Indikation für die Gabe von systemischen Steroiden war mit 26 Prozent ein Hörsturz gewesen (Eur Arch Otorhinolaryngol 2012, online 28. Juli).

Alle verwendeten Dosierungen wurden in Prednisolonäquivalente umgerechnet. Abhängig von der Höhe der kumulativen Prednisolondosis in den ersten drei Tagen wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt: weniger als 750 mg (Gruppe 1, n = 42), 750 bis 1499 mg (Gruppe 2, n = 95) und mehr als 1499 mg (Gruppe 3, n = 42).

Blutzuckermessungen an den Tagen zwei bis vier ergaben einen gestörten Nüchternblutzucker (NBZ) (100 - 125 mg / dl) bei 42, 52 und 28 Prozent der Patienten in den Gruppen 1 bis 3. Ein NBZ von mindestens 126 mg / dl, der als Grenzwert für einen Diabetes gilt, hatten 28, 21 und 67 Prozent der Patienten.

Von den Patienten mit Diabetes erreichten 40 (5 / 12), 63 (5 / 8) und 100 Prozent (2 / 2) solch hohe Werte.

Auch kurzfristige Hyperglykämien riskant

Unter den Hörsturz-Patienten wurden bei Prednisolondosen von 750 bis 1499 mg bei 21 Prozent der Nicht-Diabetiker und 63 Prozent der Diabetiker diabetische NBZ-Werte gemessen.

Patienten, deren Hörsturz - abweichend von der Leitlinienempfehlung - mit weniger Prednisolon behandelt worden war, hatten nicht signifikant weniger Hyperglykämien.

Eine extrem hohe Hyperglykämie-Prävalenz als Reaktion auf eine Kortisontherapie ist nach Angaben der Autoren der Studie auch in anderen Studien beschrieben.

Weil auch kurzfristige Hyperglykämien mit erheblichen Gefahren verbunden sind - vom erhöhten Risiko für Infektionen und Thrombosen bis zum hyperglykämischen Koma - empfehlen die Regensburger Ärzte, bei allen Patienten mit systemischer Glukokortikoidtherapie regelmäßig die Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und gegebenenfalls zu senken.

Bisher gibt es allerdings keine klaren Vorgaben, wie durch Glukokortikoide induzierte Hyperglykämien am besten zu behandeln sind; das Spektrum reicht von Lebensstiländerungen bis zu blutzuckersenkenden Medikamenten, deren Dosis vor allem bei Diabetikern angepasst werden muss.

Um die Nebenwirkungen einer systemischen Kortisontherapie zu vermeiden, besteht speziell bei Hörsturzpatienten auch die Möglichkeit einer intratympanalen Injektion, wie Rohrmeier und seine Kollegen betonen.

Als gleichwertige Alternative könne die lokale Applikation derzeit aber noch nicht empfohlen werden, dafür sei die Evidenzbasis noch zu schwach.

Mehr zum Thema

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Stiller Reflux in der HNO-Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Hohenlockstedt
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Podcast Dr. Lars Reichstein

© Porträt: Dr. Lars Reichstein, Hamburg | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Stiller Reflux in der HNO-Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Hohenlockstedt

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren