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"Es ist vieles möglich, man muß nur Mut haben, es auszuprobieren"

NEU-ISENBURG (Smi). Es ist ein Kuriosum dieser Winterspiele, daß in beiden deutschen Eishockeyteams jeweils ein Star nominiert war, der an Diabetes mellitus erkrankt ist: Claudia Grundmann bei den Damen und Michael Hackert bei den Herren. Hackert von den Frankfurt Lions hat sich allerdings wenige Tage vor Olympia einen doppelten Kieferbruch zugezogen und mußte aus dem Kader gestrichen werden.

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Claudia Grundmann, Stürmerin beim OSC Berlin-Schöneberg, hatte schon in Salt Lake City ihr Blutzucker-Meßgerät immer dabei. Die 29jährige Sportsoldatin gehört seit 1997 zum Kader der Nationalmannschaft. Ihr Diabetes mellitus wurde 1999 diagnostiziert.

"Ausgerechnet in Finnland bei der Weltmeisterschaft habe ich mir eine sehr starke Erkältung geholt", erinnert sie sich. "Total schlapp war ich." Wieder daheim, wollte sie sich in Ruhe erholen, doch sie nahm in kurzer Zeit zehn Kilo ab. Zunächst schob sie das auf ihre Infektion, doch als sie immer schlechter sah und sich ihr Allgemeinzustand verschlechterte, wurde sie ins Krankenhaus eingewiesen. Die Diagnose: Typ-1-Diabetes.

In Claudia Grundmanns Erinnerungen würde sich Michael Hackert ohne Zweifel wiedererkennen. Auch der 24jährige fühlte sich dauernd schlapp, verlor in kurzer Zeit zehn Kilo Gewicht und schob eingehendere Untersuchungen auf die lange Bank. Erst als gar nichts mehr ging, vertraute er sich seinem Hausarzt an, der bei einem Glukosetest den unglaublichen Wert von 980 mg/dl ermittelte.

Beide - Grundmann und Hackert - reagierten zunächst geschockt, vor allem als ihnen Ärzte prophezeiten, daß sie ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen müßten. Doch die Trotzreaktion folgte bei beiden auf den Fuß: Ein Ende der Karriere? Niemals!

Claudia Grundmann und Michael Hackert nahmen den Kampf auf. Machten sich schlau. Lernten, was Hypoglykämie bedeutet. Wie man ein Blutzucker-Testgerät bedient. Wie man seine Nahrung in Broteinheiten bemißt. Und wie man sich selbst eine Spritze setzt.

Heute sind beide Stützen ihrer Teams. Claudia Grundmann mißt vier- bis achtmal täglich ihren Blutzucker - "selbstverständlich auch vor jedem Training und vor jedem Spiel". Viermal täglich spritzt sie Insulin. Beim Essen hat sie (ebenso wie Hackert) keine Einschränkungen.

Bei den Olympischen Spielen von Salt Lake City belegte das Team um Claudia Grundmann übrigens einen guten sechsten Rang. Ihre eigenen Erinnerungen an das olympische Turnier vor vier Jahren sind allerdings nicht so positiv. Damals erlitt sie einen Rippenbruch, mußte Schmerzmittel nehmen und geriet dadurch in Unterzucker. Zum Glück reagierte ihre Zimmernachbarin richtig und flößte ihr Zucker ein.

Aber dieses Erlebnis schiebt Claudia Grundmann weit weg und blickt stattdessen lieber nach vorn. "Lebt euer Leben nicht nach der Krankheit, sondern stellt euren Diabetes auf euer Leben ein", rät die Puck-Jägerin auch jungen Diabetikern, denen sie - so wie Hackert auch - eigene Erfahrungen weitergibt. Ihr Motto dabei: "Es ist vieles möglich, man muß nur Mut haben, es auszuprobieren."

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