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Experte räumt mit Vorurteilen rund um die Opioid-Therapie auf

FRANKFURT AM MAIN (ner). Viele Mythen rund um die Opioid-Therapie verhindern in Deutschland nach wie vor deren angemessenen Einsatz, wie Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie erneut beklagt haben. Denn prinzipiell dürften Opioide bei allen Schmerzzuständen verordnet werden. Dies sei vorteilhaft besonders im Vergleich zu nichtsteroidalen Antirheumatika.

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Es sei zum Beispiel besser, bei Schmerzpatienten das körpereigene schmerzlindernde Endorphinsystem medikamentös zu unterstützen, als einzelne Schmerzmechanismen zu hemmen, argumentiert Privatdozent Dr. Michael Überall aus Nürnberg, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. Und für Opioide gebe es im Unterschied zu den meisten Nicht-Opioidanalgetika keine Anhaltspunkte für eine Organtoxizität, betonte er bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Durch Kombination mit spezifischen Antagonisten wie Naloxon ließen sich zudem periphere unerwünschte Opioidwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation vermeiden, sagte der Schmerztherapeut bei der vom Unternehmen Pfizer unterstützten Veranstaltung. So hatten in einer Studie mit 630 Patienten drei Viertel der mit Tilidin/Naloxon (Valoron®) Behandelten keine oder geringe gastrointestinale Beschwerden.

Überall räumte noch mit weiteren Vorurteilen auf. So komme es durch eine Opioid-Therapie nicht zur psychischen Abhängigkeit. Denn Süchtige zögen sich aus der Gesellschaft zurück, bei Schmerzpatienten unter suffizienter Opioiddosierung passiere das Gegenteil: Aktivität und Sozialleben besserten sich. Auch Sedierung und Müdigkeit kämen nicht vor. Es sei sogar nachgewiesen worden, daß bei Patienten die geistige Leistung unter einer schmerzlindernden Opioidtherapie höher sei als im Schmerzzustand.

Auch die Auffassung, Opioide wirkten nicht bei entzündungsbedingten Schmerzen, sei falsch, so Überall. Die Substanzen wirkten außer bei Tumorschmerzen auch bei Schmerzen des Haltungs- und Bewegungssystems, entzündlichen und degenerativen Gelenkerkrankungen sowie bei neuropathischen Schmerzen.



STICHWORT

Das TIME-Prinzip

Zur Schmerztherapie wird empfohlen, mit einer niedrigen Dosis eines Retardpräparats zu beginnen, erinnerte PD Dr. Michael Überall. Für das weitere Vorgehen empfiehlt er das TIME-Prinzip (englisch für titrate, increase, manage, elevate).

Titrate: "Auftitrieren" der Dosis des Retardpräparats nach Schmerzkalender alle ein bis zwei Tage.

Increase: Steigerung der Dosis pro Intervall um 25 bis 50 Prozent. Nicht die Anzahl der Einzeldosen steigern!

Management: Schmerzspitzen sollten mit einem kurzwirksamen Opioid, idealerweise mit gleichem Wirkstoff wie das Retardpräparat gelindert werden.

Elevate: Erhöhen der Dosis des Retardpräparates, wenn mehr als zwei zusätzliche Dosen des kurzwirksamen Opioids pro Tag erforderlich sind. (ner)

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