Experte warnt vor EHEC

Die gute Nachricht: Der EHEC-Keim vom vergangenen Jahr ist nicht mehr virulent. Die schlechte Nachricht: Er hat viele Varianten.

Veröffentlicht:
Professor Helge Karch von der Uni Münster mit einer EHEC-Kulturschale.

Professor Helge Karch von der Uni Münster mit einer EHEC-Kulturschale.

© Marius Becker / dpa

MÜNSTER (dpa). Ein Jahr nach der EHEC-Epidemie in Deutschland mit mehr als 50 Toten ist die Gefahr durch Darmkeime nach Expertenansicht nicht gebannt.

"Die gute Nachricht ist, dass der damalige Ausbruchsstamm in diesem Jahr noch keine Erkrankungen verursacht hat", sagte Professor Helge Karch vom Institut für Hygiene der Uniklinik Münster am Freitag. "Die schlechte Nachricht ist, dass es andere Stämme gibt, die Erkrankungen auslösen können."

42 EHEC-Typen (Enterohämorrhagische Escherichia coli) seien bekannt, die Nierenversagen zur Folge haben könnten, sagte Karch.

Der Stamm, der im vorigen Jahr gewütet habe, habe seine große Virulenz verloren. "Wenn ein neuer Ausbruch erfolgen sollte, wird er durch eine andere Variante hervorgerufen werden."

"Die Schwierigkeit ist jetzt, eine Voraussage zu treffen, um welchen dieser Stämme es sich handeln wird", ergänzte der EHEC-Experte. Die Forscher arbeiteten daran, solche Ausbrüche zu verhindern. Europaweit seien die Wissenschaftler bereits vernetzt.

Auslöser 2011: Bockshornkleesamen

"Ich denke aber, dass wir das weltweit machen müssen." Dies erfordere die Globalisierung mit internationalen Warenströmen. Als Auslöser der Epidemie 2011 gelten Bockshornkleesamen aus Ägypten.

Nach Schätzungen der Experten leidet in der Bundesrepublik noch eine zweistellige Zahl von Betroffenen an Folgen wie Nierenschäden.

Etwa 5 Prozent der Patienten mit dem schweren Krankheitsverlauf, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), dürften noch heute wegen der EHEC-Auswirkungen in Behandlung sein, schätzt der Experte für Nierenerkrankungen, Professor Hermann-Joseph Pavenstädt.

Umgerechnet auf 855 Menschen mit HUS würde das bundesweit etwa 40 Menschen betreffen.

"Man ist auf dem Weg dahin, eigene Therapien für EHEC-Patienten zu finden", sagte Karch. "Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis sie verfügbar sind."

Wissenschaftler arbeiteten auch an Impfstoffen für Rinder. Die Tiere gelten als wichtigstes Reservoir für EHEC-Erreger.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 15.05.201213:47 Uhr

Bakterio-Mania

Der EHEC-Experte, Professor Karch, verbreitet wieder diffuse Ahnungen und Ängste. Wie schön, daß der mit den zurückliegenden HUS-Skandal 2011 assoziierte koliforme Keim (wie war noch mal seine nebulöse Erreger-Definition?) inzwischen seine "Virulenz" verloren haben soll!
Ist dies -wie bei allen sich rapide teilenden Darmkeimen- doch auch nur das natürliche Ergebnis wiederholter Spontan-Mutationen?
Jedenfalls dürften die Mikrobiologen uns niemals wirklichkeitsnah prophezeien, wann denn wieder mal ein "bösartiges Killer-Bakterium" zu erwarten ist. So bleibt der Überraschungs-Effekt stets erhalten und die "Epidemiologie" (gr. über dem Volk) wird ihrem drohenden Wortsinn gerecht.
Krankheitsbegleitende, -bisher noch nicht molekularbiologisch beschriebene, aber längst existente-, Keime werden bei zukünftigen sog. "Ausbrüchen" wohl immer wieder festgestellt und mit kryptischen Namen "tituliert" werden.
Somit werden uns allen neue Horror-Szenarien nicht erspart bleiben.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie), Rostock

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?