Fehlverhalten

Falsche Rezepte für Abnehmspritzen schädigen regionale AOK um halbe Million

Bei der AOK Rheinland/Hamburg haben Hinweise auf Fehlverhalten im Gesundheitswesen zuletzt kräftig zugelegt.

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Düsseldorf. Fehlverhalten – vulgo Abrechnungsbetrug – nimmt im Gesundheitswesen offenbar zu: Aktuell berichtet die AOK Rheinland/Hamburg von rund 8,0 Millionen Euro, um die sie in den zurückliegenden zwei Jahren geschädigt wurde. Aus 1.066 Hinweisen auf Fehlverhalten seien in der Berichtsperiode 930 Neufälle entstanden, heißt es. „Das sind fast 300 Fälle mehr als im vorangegangenen Zeitraum.“ Besonders anfällig für krumme Touren seien die Leistungsbereiche häusliche Pflege, Arzneimittel, Fahrtkosten und Krankenhaus.

Mit Hinweis auf die Statistik des Bundeskriminalamtes betont die Ortskrankenkasse in ihrer Mitteilung zu Wochenbeginn „dass bei der betrügerischen Abrechnung von Gesundheitsleistungen zunehmend Bandenstrukturen bis hin zur organisierten Kriminalität erkennbar seien, einhergehend mit Geldwäsche und Steuerdelikten“.

„Datenschutz wird zum Täterschutz“

Dem kämen die Ermittlungsbehörden kaum noch hinterher. Flächendeckend müssten endlich Schwerpunktstaatsanwaltschaften eingerichtet werden, bekräftigt die AOK eine langjährige Forderung. Zudem müsse der Gesetzgeber einen „sachgerechten Informationsaustausch“ unter den Sozialversicherungsträgern ermöglichen.

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Maxine Lau, Leiterin der Fehlverhaltensstelle der AOK Rheinland/Hamburg: „Wenn der Rentenversicherung ein Betrug auffällt, darf sie die betroffene Krankenkasse, die beispielsweise für vorgetäuschte Krankheiten Krankengeld gezahlt hat, nicht informieren. Hier wird Datenschutz leider zum Täterschutz.“

Als besonders krasses Beispiele aus dem jüngsten Berichtszeitraum werden die Rezeptfälschungen über „‘Lifestyle-Medikamente wie Ozempic / Mounjaro / Trulicity“ und weitere Rx-Präparate ( Pregabalin, Schmerzmittel Hepatitis-Mittel, Wachstumshormone und Krebsmedikamente) erwähnt. Bundesweit hätte der bandenmäßige Betrug etliche Kassen getroffen.

Gesamtschaden unbekannt

Bis auf die Krankenversicherungsnummer und den Kostenträger waren demnach die versichertenbezogenen Angaben auf den Papierformularen frei erfunden. Allein bei der AOK Rheinland/Hamburg seien bis Ende 2025 rund 1.000 solcher falscher Rezepte abgerechnet worden – Schaden: rund 500.000 Euro.

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Über alle Kassen hinweg lasse sich der Gesamtschaden aus dieser Fälschungsserie nicht beziffern, heißt es weiter. Laut Münchener Staatsanwaltschaft säßen dort inzwischen zwölf Beschuldigte in Untersuchungshaft. Bundesweit gingen die Ermittlungsbehörden in dieser Sache von rund 390 mutmaßlichen Tätern aus. (cw)

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