Direkt zum Inhaltsbereich

Fentanyl bald durch die Nasenschleimhaut

FRANKFURT AM MAIN (hem). Bis zu 80 Prozent aller Tumorpatienten mit retardierter Opioid-Basismedikation haben immer wieder Durchbruchschmerzen. Diese Patienten müssen eine Bedarfsmedikation zur Hand haben, die schnell wirksam ist und deren Wirkung auch nicht zu lange anhält. Eine neue Therapieoption hierfür könnte demnächst intranasales Fentanyl sein.

Veröffentlicht:

Eine rasche Schmerzlinderung ist insofern wichtig, als Durchbruchschmerzen eine hohe Schmerzintensität haben und mehrmals täglich auftreten können. In aller Regel erreichen sie bereits nach drei Minuten ihren Höhepunkt und halten meist nicht länger als 30 Minuten an. Sie können spontan auftreten oder durch bestimmte Umstände wie Lageveränderungen oder Husten ausgelöst werden.

Bei bis zu vier Episoden von Durchbruchschmerzen pro Tag sollte ein schnell wirksames, nicht retardiertes Opioid in adäquater Dosisrelation angewendet werden. Als Dosis wird ein Zehntel bis ein Sechstel der Gesamttagesdosis des retardierten Basisopioids empfohlen. Bei mehr als vier Episoden sollte überlegt werden, die analgetische Basismedikation anzupassen.

Wirkung setzt in sieben Minuten ein.

Die einzige Substanz, die derzeit die Anforderungen an eine rasche und kurze sowie patientengesteuerte Bewältigung von Durchbruchschmerzen annähernd erfüllt, sei oral-transmukosales Fentanyl, sagte Dr. Uwe Junker von der Abteilung für Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin am Klinikum Remscheid. So ist der Wirkstoff aus dem Fentanyl-Stick bereits nach drei bis zehn Minuten angeflutet und das Wirkmaximum nach 20 bis 40 Minuten erreicht. Mukositiden, die nach Chemo- oder Radiotherapie häufig vorkommen, begrenzen jedoch die Anwendung des Sticks, so Junker bei der von Nycomed unterstützten Veranstaltung beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2008.

Eine Alternative könnte in naher Zukunft die intranasale Applikation von Fentanyl sein, berichtete Privatdozent Dr. Frank Elsner von der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Denn die Nasenschleimhaut bietet wegen ihrer starken Durchblutung und ihrer Durchlässigkeit für lipophile Substanzen wie Fentanyl nahezu ideale Voraussetzungen für eine schnelle Wirkstoffaufnahme. Zudem sei intranasales Fentanyl auch bei Mundtrockenheit und Mukositis problemlos einzusetzen, so Elsner.

Ersten Daten einer klinischen Zulassungsstudie für intranasales Fentanyl des Unternehmens zufolge tritt die Wirkung im Mittel bereits nach sieben Minuten ein und hält nur bis zu 56 Minuten an. Maximale Effekte werden nach 13 Minuten erreicht.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Lesetipps
Eine Ärztin im Gespräch mit einer Patientin.

© HockleyM1 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Kollegin gibt Tipps

So gelingt eine gute Arzt-Patienten-Beziehung

Die Ursachen für eine Anämie sind zahlreich. Differentialdiagnostisches Denken ist vorrausgesetzt.

© doucefleur / stock.adobe.com

Von unbedenklich bis gefährlich

Blutbildveränderungen: Das Einmaleins der Anämie-Diagnostik