Feten nutzen Thyroxin der Mütter

WIESBADEN (hbr). Schwangere Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis müssen bereits bei latenter Hypothyreose behandelt werden. Denn eine Funktionsstörung beeinträchtigt die Gesundheit des Nachwuchses. Behandelt wird mit L-Thyroxin, Selen - und auch mit Jodid, um den Jodbedarf der Feten zu decken.

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Um die Entwicklung zur Unterfunktion sicher zu verhindern, sei eine Substitutionstherapie sogar bei noch normaler Schilddrüsenfunktion zu erwägen. Darauf wies Dr. Manuela Michaelis vom St. Josefs-Hospital beim Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium hin.

Eine Hypothyreose entwickeln bis zu 50 Prozent der Schwangeren mit den Hashimoto-typischen Antikörpern gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO). Wird nicht behandelt, kann das eine verzögerte Lungenreifung bei den Feten, eine Früh- oder eine Fehlgeburt zur Folge haben. TPO-Antikörper haben bis zu acht Prozent der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter.

Euthyreose ist wichtig für die Entwicklung der Feten

Eine gute Hormonversorgung Schwangerer ist auch für die intellektuelle Entwicklung der Kinder wichtig. Selbst eine nur leichte Hypothyreose kann zu Schäden führen, sagte Michaelis bei dem von Merck Pharma unterstützten Symposium.

Betroffene erhalten mit L-Thyroxin. Zusätzlich können 100 bis 200 µg Selen am Tag den Antikörperspiegel günstig beeinflussen. Michaelis berichtete über eine 39jährige Hashimoto-Thyreoiditis-Patientin. Als sie in die Praxis kam, nahm sie täglich 75 µg L-Thyroxin ein. Trotzdem hatte sie noch eine latente Unterfunktion mit erhöhtem TSH von 6 mU/l und niedrig-normalen Werten an freiem T3 und T4.

Die Frau hatte drei Fehlgeburten hinter sich und weiterhin Kinderwunsch. Sie berichtete über Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Verstopfung. Die Thyroxindosis wurde schrittweise auf 125 µg Euthyrox® erhöht. Darunter sank TSH auf Werte zwischen 0,5 bis 1,3 mU/l. Der mit über 3000 U/ml stark erhöhte TPO-Antikörpertiter ging erst zeitgleich mit der Selensubstitution auf die Hälfte zurück.

Hormonbedarf der Mütter nimmt ab sechster Woch zu

Durch die Behandlung verbesserte sich das Allgemeinbefinden der Patientin deutlich, und sie wurde erneut schwanger. Trotz der Autoimmun-Thyreoiditis wurde die Therapie daraufhin um Jodid 100 µg täglich erweitert. Denn der Nachwuchs braucht ab der zehnten Schwangerschaftswoche für die eigene Schilddrüsenhormon-Produktion Jod.

Zu beachten sei, daß der Hormonbedarf der Mütter schon ab der sechsten Schwangerschafts-Woche um bis zu ein Drittel zunehmen kann, so Michaelis. Noch ein Tip: Euthyreote Frauen mit TPO-Antikörpern sollten nach der Entbindung weiter beobachtet werden: Jede zweite hat nach der Geburt eine Hypothyreose.

Mehr Informationen im Internet unter: http://flexicon.doccheck.com, jeweils Hashimoto-Thyreoiditis eingeben!



STICHWORT

Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird auch als Autoimmun-Thyreoiditis oder Struma lymphomatosa bezeichnet. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der organspezifische Autoantikörper gebildet werden. Trotz der Vergrößerung der Schilddrüse bekommen die Patienten eine Hypothyreose.

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