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Herzinfarktrisiko

Fit trotz Fett?

Selbst wenn sich eineiige Zwillinge vom Körpergewicht her deutlich voneinander unterscheiden, haben sie einer aktuellen Studie nach ein ähnlich hohes Risiko für Herzinfarkte. Anders sieht die Sache allerdings beim Diabetesrisiko aus.

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Ein erhöhter BMI gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt.

Ein erhöhter BMI gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt.

© Kurhan / fotolia.com

UMEå. Ein erhöhter Body Mass Index (BMI) wird mittlerweile von vielen als ein eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor angesehen. Eine Zwillingsstudie aus Schweden streut allerdings - zumindest was die Myokardinfarkte angeht - etwas Wasser in den Wein dieser Hypothese.

Die Experten der Universität Umeå haben über ein nationales schwedisches Zwillingsregister insgesamt 4046 eineiige Zwillingspaare identifiziert, den BMI gemessen und die Zwillinge im Mittel zwölf Jahre nachverfolgt (JAMA Intern Med 2016; online 1. August).

Dabei zeigte sich, dass die jeweils schwereren Zwillinge - der mittlere BMI betrug 25,9 kg/m² - bei einem Ausgangsalter von 57 Jahren ein Herzinfarktrisiko von 5,0 Prozent und eine Gesamtsterblichkeit von 13,6 Prozent aufwiesen. Bei den jeweils leichteren Zwillingen - der mittlere BMI betrug 23,9 kg/m² - waren es 5,2 Prozent und 15,6 Prozent.

Diabetesrisiko war unterschiedlich

Auch wenn nur jene Zwillingspaare in die Auswertung einbezogen wurden, bei denen der schwerere Zwilling einen BMI von über 30 kg/m² aufwies und der Unterschied zum leichteren Zwilling mindestens 7,0 kg/m² betrug, war das Risiko von Herzinfarkt oder Tod nicht signifikant größer, numerisch sogar kleiner.

Demgegenüber stand allerdings erwartungsgemäß ein mehr als doppelt so hohes Risiko für die Neudiagnose eines Diabetes mellitus bei den Zwillingen mit höherem Körpergewicht.

Nun könnte man auch angesichts der hohen Diabetesinzidenz spekulieren, dass die Beobachtungszeit von im Mittel zwölf Jahren möglicherweise zu kurz war, um Effekte des Körpergewichts auf harte kardiovaskuläre Endpunkte zu demonstrieren.

Das Studiendesign gibt eine (noch) längerfristigere Risikoabschätzung nicht her. Allerdings haben die Wissenschaftler nach dem BMI-Verlauf in den 30 Jahren vor Studienbeginn gefragt. Und hier zeigte sich, dass auch jene Zwillinge mit über Jahrzehnte zunehmendem BMI kein erhöhtes Myokardinfarkt- oder Sterberisiko aufwiesen, wohl aber erneut und wieder erwartungsgemäß ein erhöhtes Diabetesrisiko.

Die Frage der Gewichtsabnahme

Eine wichtige Frage, die diese Ergebnisse aufwerfen, ist die nach den möglichen Resultaten von Gewichtsreduktionsprogrammen. Wenn der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und harten kardiovaskulären Endpunkten nicht so eng ist, wie oft angenommen wird, dann wäre das eine mögliche Erklärung dafür, dass bisher kein Gewichtsprogramm überzeugend nachweisen konnte, dass Myokardinfarkte und Schlaganfälle durch Gewichtsreduktion verhindert werden können.

Viele epidemiologische Studien liefern allerdings Daten, die den Ergebnissen der schwedischen Zwillingsstudie widersprechen. So hat erst im Juli die Global BMI Mortality Collaboration eine große Metaanalyse vorgelegt, die 239 Studien mit über zehn Millionen Probanden aus aller Welt berücksichtigt (Lancet 2016; online 13. Juli).

Ergebnis: Epidemiologisch gesehen korrelieren BMI und Sterblichkeit oberhalb eines BMI von 20 kg/m² sehr wohl. Schon wer einen BMI von 27,5 kg/m² aufweist, hat demnach ein um 7  Prozent höheres Sterberisiko als Menschen mit einem BMI von 25,0 kg/m². Und 29,5 Prozent aller Männer bzw. 14,6 Prozent aller Frauen mit einem BMI zwischen 30 und 35 kg/m² sterben vor dem 70. Lebensjahr, gegenüber 19 bzw. 11 Prozent bei normalem BMI. (gvg)

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