Frühe Endometriose-Therapie senkt Rezidivrisiko

ULM (bib). Schätzungsweise zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben eine Endometriose. Äußern kann sich das in chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie oder Sterilität. Eine medikamentöse oder chirurgische Therapie kann die Endometrioseherde verkleinern und so die Beschwerden lindern. Wirklich heilen läßt sich die sehr rezidivfreudige Erkrankung aber kaum.

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Abgesehen von rein symptomatisch wirkenden NSAR haben alle bei Endometriose verwendeten Medikamente eine Veränderung des Menstruationszyklus zum Ziel. Sie bewirken eine Pseudoschwangerschaft, eine Pseudomenopause oder eine chronische Anovulation - alles Zustände, die vermutlich ein suboptimales Milieu für die Endometrioseherde darstellen, wie Professor Cosima Brucker von der Frauenklinik der Universität Ulm erläutert (Der Gynäkologe 4, 2004, 353).

In der Wirksamkeit seien die Medikamente ähnlich, sagt die Gynäkologin. Ob man sich für GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon)-Analoga, orale Kontrazeptiva, Gestagene oder Danazol entscheidet, sollte von individuellen Faktoren abhängig gemacht werden, etwa von der Art der Schmerzen.

Und es sollte vor allem auch das zu erwartende Spektrum unerwünschter Wirkungen berücksichtigt werden. So hat Danazol androgene Nebenwirkungen wie vermehrtes Haarwachstum oder Akne, Gestagene können uterine Blutungen, Brustspannen und depressive Verstimmungen auslösen. GnRH-Analoga verursachen durch Östrogenentzug klimakterische Beschwerden und Knochendemineralisationen. Eine Add-back-Therapie, bei der zusätzlich Gestagene oder Gestagen-Östrogen-Kombinationen eingenommen werden, vermag die klimakterischen Beschwerden dann zu lindern.

Bei Patientinnen mit zyklischen oder chronischen Schmerzen, bei denen Verdacht auf eine Endometriose besteht, empfiehlt Brucker zunächst eine Behandlung mit NSAR und oralen Kontrazeptiva. Hilft das nicht, können die anderen Medikamente versucht werden. Oder man operiert gleich - um die Diagnose zu sichern und sichtbare Herde abzutragen. Dies empfiehlt sich nach Angaben der Gynäkologin immer bei Ovarialendometriosen oder der tiefen nodulären Endometriose im Septum rectovaginale, da diese sich medikamentös wenig beeinflussen lassen.

"Generell sind bei der medikamentösen Therapie die Schmerz- und die Sterilitätspatientin gesondert zu betrachten", so Brucker. Bei letzteren fruchten die erwähnten Medikamente nicht, da bei der Einnahme eine Empfängnis unmöglich ist.

Endometriose-Patientinnen mit Kinderwunsch sollten daher gleich operiert werden, um die Herde zu entfernen und wieder normale anatomische Verhältnisse zu schaffen. Reproduktionsmedizinische Verfahren wie Ovulationsinduktion oder künstliche Befruchtung könnten hinzukommen.

Egal wie man Patientinnen mit Endometriose behandelt - zulange fackeln sollte man nicht: Bei fortgeschrittener Erkrankung klettern die Rezidivraten auf bis zu achtzig Prozent innerhalb von drei bis fünf Jahren.

Hoffnung auf einen möglichen kausalen Therapieansatz gibt es jetzt übrigens auch. So hat man in Endometrioseherden eine Überexpression der Aromatase gefunden. Derzeit läuft eine Therapie-Studie mit dem Aromatasehemmer Letrozol bei ausgeprägter Endometriose.



STICHWORT

Endometriose

Unter einer Endometriose versteht man das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der physiologischen Schleimhautauskleidung der Gebärmutter. Dieses Gewebe ist ähnlichen zyklischen Veränderungen unterworfen wie das Endometrium selbst. Die Ätiologie der Erkrankung ist bisher nicht genau geklärt. Diskutiert werden etwa die Verschleppung und Implantation von menstruell abgestoßenem Endometrium. Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Frauen im gebärfähigen Alter auf und bildet sich nach der Menopause meist zurück. Äußern kann sich die Endometriose in chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie oder Sterilität.

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