Diabetes mellitus

Fußmatte mit Sensoren erkennt sich anbahnende Diabetesfuß

Von einer guten Prophylaxe diabetischer Fußulzera würden Patienten erheblich profitieren. Eine Fußmatte mit Wärme-Sensoren hilft, Gefährdete früh zu erkennen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Mit Wachsamkeit lassen sich Fußulzera meist vermeiden. Die Fußmatte mit Wärmesensoren könnte die Prävention verbessern.

Mit Wachsamkeit lassen sich Fußulzera meist vermeiden. Die Fußmatte mit Wärmesensoren könnte die Prävention verbessern.

© [M] Podimetric’s | Jennewein Photo / stock.adobe.com

MAINZ. Patienten mit einem abgeheilten plantaren neuropathischen Ulcus haben ein extrem hohes Risiko für Rezidive. Nach Studiendaten bekommen 30 bis 40 Prozent von ihnen trotz guter Versorgung mit Schuhwerk und Podologie bereits im Jahr nach der Heilung erneut ein Ulcus, wie Professor Maximilian Spraul vom Diabetes-Zentrum-Rheine beim DDG-Diabetes-Update berichtet hat. Wenig hilfreich haben sich zur Prophylaxe regelmäßige Fuß-Inspektionen erwiesen.

Eine Alternative könnten häufige Kontrollen der Fußtemperatur sein. Bereits vor zehn Jahren ließ sich damit die Rezidivrate in kontrollierten Studien um bis zu 70 Prozent reduzieren, berichtete Spraul. Hierbei wird die Temperatur des betroffenen Fußes mit der Gegenseite verglichen, wobei eine Differenz von mehr als 2,2° C als verdächtig gilt.

Die Fußtemperatur steigt dabei im Mittel schon fünf Wochen vor Auftreten des Ulcus an. Es bleibt also genügend Zeit, um die Prophylaxe, etwa am Schuhwerk, zu optimieren. Bisher haben sich aber die etwas umständlichen und regelmäßig vorzunehmenden Messungen nicht durchgesetzt.

2000 Sensoren

Eine Renaissance der Temperatur-Früherkennung könnte mit der SmartMat™ vom US-Unternehmen Podimetrics gelingen. Die Schaumstoff-Matte mit 2000 Sensoren wird Patienten für die mehrmaligen Messungen in der Woche mit nach Hause gegeben. Das System ermittelt binnen 20 Sekunden lückenlos die Temperatur der beiden Fußsohlen, die Messwerte werden danach sofort automatisch an den Therapeuten gesendet.

Die Qualität der Früherkennung ist in einer Studie über 34 Wochen bei 129 Diabetikern mit Fußulzera in der Vorgeschichte ermittelt worden (Diab Care 2017; 40: 973). In dieser Zeit traten bei 37 von ihnen insgesamt 53 Rezidivulzera auf (0,62 pro Patient und Jahr). Bei einer Temperaturdifferenz von 2,2° C wurden 97 Prozent der sich anbahnenden Ulzera erkannt, und zwar im Mittel 37 Tage, bevor es sich ausbildete.

Es gab allerdings auch bei 57 Prozent der Patienten falsch-positive Ergebnisse; dies könnte zum Teil daran liegen, dass die Studie nach 34 Wochen zu Ende ging und später auftretende Ulzera nicht mehr einbezogen wurden. Auch ergaben sich dadurch im Mittel nur drei zusätzliche Vorstellungen pro Patient und Jahr. Die Methode wurde gut angenommen: 86 Prozent nutzten die Matte an mindestens drei Tagen in der Woche.

Zwar wurde in der Untersuchung nicht geklärt, wie viele Ulzera sich durch die Früherkennung vermeiden ließen. Spraul hält die Matte aber trotzdem für eine außerordentlich wichtige Innovation, um die erhebliche Morbidität bei den Hochrisiko-Patienten zu reduzieren. Jetzt seien IQWiG und GBA gefordert, rasch eine Kostenerstattung zu ermöglichen.

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