Kolorektal-Op

Gefahr bei postoperativen Infekten

Bei Patienten mit einer Kolorektal-Op müssen Kollegen das Risiko für Thrombosen und Embolien berücksichtigen. Das Problem sind offenbar postoperative Infektionen.

Veröffentlicht:
An den Risiken denken.

An den Risiken denken.

© BVmed-Bilderpool

INDIANAPOLIS. Patienten, die am Darm operiert werden müssen, tragen ein hohes Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien. Postoperativen Infektionen kommt dabei laut einer neuen US-Studie ein erhebliches Gewicht zu.

An der von Francesca Monn von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis geleiteten Studie war eine Kohorte von 615 Patienten beteiligt. Ihre Daten wurden retrospektiv analysiert (J Am Coll Surg 2013; online 10. Januar).

4,1 Prozent von ihnen entwickelten innerhalb von 30 Tagen nach der Operation eine venöse Thromboembolie (VTE). Im Einzelnen handelte es sich um tiefe Venenthrombosen (TVT, 2,6 Prozent), Lungenembolien (LE, 0,7 Prozent) beziehungsweise um beides, TVT plus PE (0,8 Prozent).

Die multivariate Analyse förderte die Faktoren zutage, die nach einer kolorektalen Operation zum Entstehen einer VTE führen können. Disseminierte Krebserkrankungen schlugen mit einer 4,38-fachen Risikosteigerung zu Buche.

Postoperative Infektionen erhöhten die Gefahr 4,21-fach - und hier vor allem Entzündungen in der operierten Organhöhle und Pneumonien. Infekte nach der Op hatten sich 56 Prozent aller späteren VTE-Patienten eingefangen.

Risikopatienten identifizieren

In der Gruppe ohne thromboembolische Komplikationen war dies nur bei 26,1 Prozent der Patienten der Fall gewesen. Ein weiterer Risikofaktor waren notfallmäßig vorgenommene Eingriffe, die das VTE-Risiko 2,8-fach nach oben trieben.

Die VTE-Rate in der Studienpopulation war niedrig - bei fehlender Prophylaxe ist mit einer TVT bei 40 Prozent und mit einer LE bei fünf Prozent der Patienten zu rechnen. Dennoch stellten sich Monn und Kollegen der Frage, ob die im Studienkollektiv beobachteten VTE vermeidbar gewesen wären.

Dabei ergab sich, dass mit 92 Prozent nahezu alle der Patienten mit VTE eine Thromboseprophylaxe lege artis erhalten hatten.

Eine Thromboembolie, die durch evidenzbasierte Vorbeugung womöglich verhindert worden wäre, hatten also rechnerisch acht Prozent der VTE-Patienten beziehungsweise 0,3 Prozent aller Patienten nach kolorektalen Operationen erlitten.

"Es ist durchaus berechtigt, weiter zu untersuchen, wie Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren sind", schreiben die Forscher. Dies könnte zu neuen Strategien führen, mit denen sich die Inzidenz postoperativer VTE weiter senken lässt. Postoperative Infektionen scheinen jedenfalls ein frühes Warnzeichen zu sein. (rb)

Mehr zum Thema

Stiftung LebensBlicke

Darmkrebs-Präventionspreis 2022 vergeben

Das könnte Sie auch interessieren
Kasuistik: Das deutliche Ansprechen in der Zweitlinie

© Prof. Dr. Jörg Trojan | Peter Holger Fotografie | Lilly Deutschland GmbH

Patientenfall

Kasuistik: Das deutliche Ansprechen in der Zweitlinie

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Zwischen Trend & Kausalität: Kaffee & Überleben

© Rawpixel | iStock.com

Kolorektales Karzinom

Zwischen Trend & Kausalität: Kaffee & Überleben

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kasuistik: 68-Jährige Patientin mit inoperablen Lebermetastasen

© Fizkes | iStock.com

Patientenfall

Kasuistik: 68-Jährige Patientin mit inoperablen Lebermetastasen

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Menschen demonstrieren im September 2021 vor dem Bundesrat für die Abschaffung des Paragrafen 219a. Der Bundesrat lehnt einen Antrag von fünf Ländern aber ab.

© Wolfgang Kumm/dpa

Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche

Abschaffung von §219a StGB: Justizminister legt Entwurf vor