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Brasilien

Genmanipulierte Mücken breiten sich aus

Eine Firma hat in Brasilien hunderttausende Gelbfiebermücken mit verändertem Erbgut ausgesetzt, um die Population der gefährlichen Moskitos einzudämmen. Doch möglicherweise hat der Feldversuch fatale Folgen.

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Aedes aegypti: Feldversuch mit Folgen.

Aedes aegypti: Feldversuch mit Folgen.

© Gustavo Amador/epa efe/dpa

JACOBINA. Nach einem Feldversuch zur Bekämpfung von Viren übertragenden Mücken breiten sich gentechnisch veränderte Insekten in Brasilien aus. Je nach Stichprobe hätten 10 bis 60 Prozent der Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) in der Ortschaft Jacobina im Nordosten von Brasilien entsprechende Spuren im Genom, berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ (2019; online 10. September).

Das Forschungsinstitut Testbiotech kritisiert den Feldversuch. „Die langfristigen Folgen bezüglich einer Verbreitung von Krankheiten, der Vermehrung der Mücken und der Wechselwirkungen mit der Umwelt können nicht abgeschätzt werden“, heißt es in einer Mitteilung des eher gentechnik-kritisch eingestellten Instituts.

Nachkommen nicht überlebensfähig

Das britische Unternehmen Oxitec hatte von 2013 bis 2015 wöchentlich rund 450.000 männliche Gelbfiebermücken mit verändertem Erbgut in Jacobina freigelassen. Die Gene der Moskitos waren so verändert worden, dass ihre Nachkommen nicht überlebensfähig sein sollten.

Ziel war eine Eindämmung der Population der Mücken, die unter anderem Gelbfieber, Dengue-Fieber und das Zika-Virus übertragen können. Die Erreger werden nur von den weiblichen Tieren weitergegeben.

Zwar konnte die Anzahl der Mücken mit dieser Methode verschiedenen Studien zufolge tatsächlich um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Allerdings überlebten einige Moskitos und tragen nun ein verändertes Erbgut in sich. „Die Aussetzung wurde überstürzt vorgenommen, ohne dass einige Punkte geklärt waren“, kritisiert der brasilianische Biologe José Maria Gusman Ferraz in der Zeitung „Folha de S. Paulo“.

„Weitgehend unkontrollierbare Situation“

Auch Testbiotech wirft Oxitec vor, den Feldversuch ohne ausreichende Studien gestartet zu haben. „Die Versuche der Firma Oxitec haben zu einer weitgehend unkontrollierbaren Situation geführt“, sagt Geschäftsführer Christoph Then.

Dabei könnten im schlimmsten Fall die Schäden weder durch Versicherungen abgedeckt noch durch Notfallmaßnahmen korrigiert werden. „Dieser Vorfall muss Folgen für den weiteren Einsatz der Gentechnik haben“, fordert Then. „Die Verhinderung einer Ausbreitung von Gentechnik-Organismen in natürlichen Populationen muss in Zukunft höchste Priorität haben.“

Folgen noch nicht absehbar

Welche Folgen die Übertragung des gentechnisch veränderten Erbguts auf künftige Generationen von Gelbfiebermücken hat, sei noch unklar, heißt im Journal „Scientific Reports“.

Möglicherweise seien die Gentechnik-Mücken robuster und resistent gegen Insektizide, schreiben die Forscher um Professor Jeffrey Powell von der Yale University in New Haven (USA) in der Studie und betonen: „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein Überwachungsprogramm bei der Aussetzung gentechnisch veränderter Organismen ist, um nicht erwartete Folgen festzustellen.“

Mittlerweile hat Oxitec seine Strategie geändert. Die zweite Generation der gentechnisch veränderten Moskitos ist so programmiert, dass lediglich die weiblichen Nachkommen nicht lebensfähig sind. Die männlichen jungen Männchen hingegen überleben und können sich mit wilden Weibchen paaren.

Das Überleben von gentechnisch veränderten Gelbfiebermücken ist in dem neuen Programm also gewollt, um gezielt die Population der gefährlichen Weibchen einzudämmen. (dpa)

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