Multiples Myelom

Genmutation der Zellalterung könnte Krebsrisiko erhöhen

Ein Team aus deutschen und britischen Wissenschaftlern analysierte das Erbgut von Patienten mit Multiplem Myelom und entdeckte dabei neue genetische Risikofaktoren.

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HEIDELBERG. Bestimmte Variationen im Erbgut erhöhen das Risiko, an einem Multiplen Myelom zu erkranken: Wissenschaftler aus Heidelberg und London haben das Erbgut von mehr als 4600 Betroffenen nach charakteristischen Merkmalen durchsucht und dabei vier neue genetische Risikofaktoren entdeckt, teilt das Universitätsklinikum Heidelberg mit.

Ein solcher Risikofaktor ist eine Variation in einem Genabschnitt, der beim Alterungsprozess von Zellen eine Rolle spielt.

Die genetische Variante könnte gemeinsam mit anderen Faktoren bewirken, dass die Krebszellen sich der Alterung und dem vorgegebenen Zelltod entziehen, vermuten die Forscher (Nature Genetics 2013 (45): 1221-1225).

"Die Erbgutanalyse gibt uns wichtige Hinweise auf die molekularen Prozesse innerhalb der Knochenmarkzellen, die bei der Entstehung des Multiplen Myeloms eine Rolle spielen", wird Dr. Niels Weinhold von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, der in Zusammenarbeit mit dem DKFZ das Screening der deutschen Patientenproben koordinierte, in der Mitteilung zitiert.

"Wenn wir besser verstehen, wie Myelomzellen funktionieren und welche Eigenschaften sie haben, können wir in Zukunft neue Ansatzpunkte für Medikamente finden."

Wissenschaftler vermuten, dass die Erkrankung von verschiedenen Veränderungen im Erbgut hervorgerufen wird, die einzeln zwar unkritisch sind, ab einer bestimmten Anzahl und in Kombination aber die Fehlfunktion der Blutzellen verursachen.

Vier kritische Variationen im Erbgut entdeckt

Um diese Variationen zu finden, verglich das internationale Forscherteam mit Hilfe eines speziellen Analyseverfahrens (genomweite Assoziationsstudie GWAS) das Erbgut (DNS) von 4692 Patienten aus Deutschland und England mit Multiplem Myelom mit dem von 10.990 gesunden Menschen.

Die Idee: Treten bestimmte genetische Variationen bei Patienten signifikant häufiger auf als bei der Kontrollgruppe, ist es wahrscheinlich, dass sie bei der Erkrankung eine Rolle spielen.

Die Wissenschaftler identifizierten in der aktuellen Studie vier solcher kritischen Variationen im Erbgut, vier entdeckten sie bereits in vorangegangen Analysen.

In den DNS-Abschnitten, die diese Veränderung tragen, sind die genetischen Baupläne für eine ganze Reihe von Proteinen enthalten. Darunter befindet sich das Gen TERC, das die Länge der Schutzkappen am Ende größerer Erbguteinheiten, sogenannte Telomere, reguliert.

Diese Schutzkappen werden bei jeder Zellteilung verkürzt. Sind sie abgetragen, büßt die Zelle bei der Teilung Stücke ihrer Erbinformation ein - sie altert und stirbt schließlich ab. Wird TERC außerplanmäßig aktiviert, wird dieser Prozess verlangsamt bzw. rückgängig gemacht.

Die entdeckte Variation im Erbgut könnte diesen Mechanismus in den Tumorzellen beeinflussen. Welche Auswirkungen die genetischen Variationen genau haben, müssen weitere Untersuchungen klären. (eb)

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