Gute Schlagtechnik schützt vor Tennisellenbogen

NEU-ISENBURG (pie). Beschwerden am Ellenbogen sind bei Freizeitsportlern besonders häufig. Nahezu jeder zweite von ihnen bekommt während seiner sportlichen Karriere eine mediale oder laterale Epikondylitis. Oft sind Tennisspieler oder Golfer von der Krankheit betroffen. Therapie-Optionen sind Immobilisierung, etwa mit einer Gips-Longuette, oder eine Operation. Vorbeugen können Sportler, indem sie sich eine gute Schlagtechnik aneignen oder Pelottenbandagen tragen.

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Bei einer Gesamtinzidenz der Epikondylitis bei Sportlern von knapp zwei Prozent sind besonders Tennisspieler und Golfer betroffen. Das prägte den Begriff des "Tennis-" oder auch "Golferellenbogens". 36 Prozent der Tennisspieler haben dauerhaft oder vorübergehend eine Epikondylitis. Der Vergleich von Freizeitsportlern und Profis zeigt, dass die Inzidenz bei Freizeitsportlern deutlich höher liegt. Betroffen sind vermehrt Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Bei einem Drittel der Patienten führt die Erkrankung zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Berufs- und Alltagsleben.

Klinisch stehen Schmerzen im Vordergrund, die sowohl in den Unterarm als auch in den Oberarm ausstrahlen können. Über dem betroffenen Epikondylus lässt sich in der Regel ein lokaler Druckschmerz auslösen, der bei kräftigem Faustschluss und Pronation oder Supination forciert werden kann. Der Bewegungsumfang im Ellenbogen ist frei und ohne Bewegung gegen Widerstand häufig schmerzlos, bei passiver Dehnung schmerzhaft.

Thomson-Test kann Diagnose unterstützen

Der Thomson-Test kann die Diagnose unterstützen. Dabei wird der Patient angehalten, mit gebeugtem Ellenbogen, geöffneten Handflächen und gestreckten Fingern zum Beispiel eine Tischplatte anzuheben.

Differentialdiagnostisch sollten Wurzelaffektionen der unteren HWS, ein Thoracic-outlet-Syndrom, ein Ulnaris-Rinnen-Syndrom oder eine Stressfraktur der proximalen Ulna oder des Olekranons ausgeschlossen werden. Deshalb sind als zusätzliche Diagnostik Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen zu empfehlen.

Eine spontane Regeneration ist zwar möglich. Persistieren die Beschwerden nach einer mehrwöchigen Belastungs- oder Sportkarenz aber und sind die Patienten beeinträchtigt, kann eine Immobilisierung durch einen geschalten Oberarmcast oder einen Tapeverband sinnvoll sein. Zum Beispiel hat sich die Immobilsierung mit einer ventralen Gips-Longuette für die Dauer der Schmerzen bewährt, verbunden mit einer lokalen Applikation und Einnahme von nichtsteroidalen Antiphlogistika. Außer Kühlung in der Akutphase kann die Therapie durch eine Querfriktion* der Sehnenansätze ergänzt werden.

Auch mit Akupunktur kann man gute Ergebnisse erzielen und den zum Teil langwierigen Verlauf günstig beeinflussen. Die lokale Infiltration mit Kortikoiden steht nicht an primärer Stelle. Sie kann die Regenerationsfähigkeit des Gewebes beeinträchtigen und ist daher umstritten. Auch eine Dauermedikation mit Kortikoiden, etwa als bestehende Vormedikation, ist problematisch und kann zu protrahierten Verläufen führen.

Sind die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft, kann die operative Therapie in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Muskel- und Sehnenansätze am ossären Ansatzpunkt denerviert. Dieses Vorgehen ist indiziert bei Patienten mit einer Therapieresistenz von mehr als sechs Monaten, bei Patienten, bei denen die Beschwerden ein Jahr lang rezidivieren, sowie bei Patienten, die den Arm nicht belasten können.

Leistung sollte nur langsam gesteigert werden

Die geringere Inzidenz der Epikondylitis bei Profis zeigt, dass durch ein leistungsadaptiertes Training exzessive Belastungsspitzen abgefangen werden können. Dem Freizeitsportler kann im Tennis eine Verbesserung seiner Schlagtechnik, die langsame Leistungssteigerung nach einem Wechsel der Bespannung, des Untergrundes oder der Trainigsintensität empfohlen werden. Als weiteres Hilfsmittel sind bei Patienten mit einer rezidivierenden Epikondylitis die Pelottenbandagen beliebt, die eine Kompression auf die proximalen Sehnenansätze ausüben und schmerzlindernd wirken.

Querfriktion*: Spezialmassage, bei der mit den Fingern eine Sehne quer zu ihrer Längsachse sanft mobilisiert wird.



STICHWORT

Epikondylitis

Bei einer Epikondylitis handelt es sich um eine lokale strukturelle Schädigung der inserierenden Muskel- und Sehnenansätze des M. extensor carpi radialis brevis oder der Flexorenmuskulatur am medialen Epikondylus. Ausgelöst wird sie durch akute, häufiger jedoch durch chronische mechanische Überlastung oder muskuläre Dysbalancen. In ein bis zwei Prozent entstehen sie bei degenerativen Veränderungen. In begrenztem Umfang vermag der Körper diese Schädigungen zu kompensieren. Werden jedoch diese Fähigkeiten überstiegen, kommt es zu persistierenden Entzündungen, ödematösen Reaktionen des umgebenden Gewebes (Peritendinose), der Sehnenscheiden (Tendovaginitis) oder zu Rupturen. Außerhalb des Sports haben gehäuft Frauen mit handgelenksbetonten Tätigkeiten eine Epikondylitis. (pie)

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