KOMMENTAR

HIV-Infektion ist viel komplexer als gedacht

Von Peter Leiner Veröffentlicht: 29.09.2006, 08:00 Uhr

Wer bis jetzt noch gedacht hatte, daß es bei unbehandelten HIV-Infizierten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zahl der HI-Viren und der Menge der CD4-positiven T-Zellen im Blut gibt - viele Viren, wenig Zellen und die Progression zu Aids - muß sich aufgrund einer aktuellen US-Studie eines Besseren belehren lassen. Denn das ist nur bei wenigen HIV-Infizierten zu Beginn der Infektion tatsächlich so.

Letztlich bestätigen die Ergebnisse der statistischen Analyse die Praxis der Therapieentscheidung im klinischen Alltag. Hier stützt sich der Entschluß zum Beginn der Therapie auf nicht nur zwei, sondern drei Parameter: auf die Zahl der CD4-Zellen und die Menge des Aids-Erregers im Blut sowie auf die Klinik. Der wichtigste Parameter bleibt weiterhin die CD4-Zellzahl.

Den Deutsch-Österreichischen Leitlinien zufolge sollte die Therapie asymptomatischer Infizierter bei einer Zellzahl zwischen 200 und 350 pro Mikroliter Blut und einem Anteil der Zellen von weniger als 15 Prozent an der Gesamtlymphozytenzahl begonnen werden.

Zudem kommt es aber wesentlich auf den Verlauf der CD4-Zellzahl an. Erfahrung der HIV-Therapeuten zufolge ist ein Abfall von mehr als 80 bis 100 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut im Jahr ein Alarmzeichen. Bei diesen Patienten sollte nicht zu lange mit dem Behandlungsbeginn gewartet werden. Dann ist es egal, ob viele oder wenige Viren im Blut die Ursache sind - oder etwa immunpathologische Effekte.

Lesen Sie dazu auch: HIV-Menge als Indikator reicht nicht

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